Wenn sich viele an das Gleiche erinnern wird mehr vergessen, als wenn sich viele an verschiedene Dinge erinnern und damit mehr Erinnerungen behalten werden. Das ist ganz interessant wenn nebenbei jemand einen vollquatscht, mit Dingen, die man sich merken soll, weil er zu faul ist sie sich selbst zu merken und damit die Verantwortung für die eigenen Erinnerungen abgeben will, die mich aber leider mal so gar nicht interessieren und mit denen ich so gar nichts zu tun haben will. Manche Menschen sind so selbstbezogen, dass ich kotzen will, während mir auffällt, dass "manschen" ein Wort ist, das viel zu selten benutzt wird, wenn man keine Kleinkinder in der direkten Umgebung hat.
Doch zurück zur kollektiven Erinnerung, die ja ganz hilfreich sein kann, wenn man in einer Quizshow sitzt oder im Kneipenquiz oder sonst wo, wo man sich auf das Wissen vieler stützen kann, andererseits ist das auch eine gefährliche Sache, denn Erinnerung ist eben vor allem das, was unsere Emotionen zu Vergangenheit macht und damit faktisch nicht als Wahrheit zu nutzen. Ohne zu schwurbeln, nur weil sich eine ganze Generation daran erinnert, dass der Mensch auf dem Mond gelandet ist, ist das nicht Wahrheit durch kollektive Erinnerung, es ist Wahrheit, weil es geschehen ist. Und weil sich neunundneunzig Menschen nicht an eine frühere Fassung von "Braveheart" erinnern, lasse ich mich dennoch nicht davon abbringen, dass es sie gab und dass ich sie damals gesehen habe.
Und wo fängt in diesem Zusammenhang "gaslighten" an und wo hört Unsicherheit auf? Wenn mir jemand ständig seine falschen Erinnerungen einflüstert, wann überschreibt sich bei mir die Wahrheit, wann wird eine Erinnerung, die ich nie hatte, das, was ich denke, was passiert ist und weicht von dem ab, was ich selbst erinnerte? Wenn ich nach 20 Jahren Chatverläufe meines jüngeren Ichs lese und es sich anfühlt, als wäre das gar nicht so gewesen, ist es meine Erinnerung die falsch ist, die Daten lügen nicht, sie werden sich ja in den letzten 20 Jahren nicht plötzlich umgeschrieben haben, stattdessen hat mein ständiges reflektieren und überdenken die Erinnerung angepasst, so dass ich besser damit leben konnte, meinen Schmerz zu reduzieren, vielleicht auch der Versuch mich von Schuld freizusprechen, so ich denn welche auf mich geladen habe. Es ist so viel Zeug, dass ich damit sicherlich noch einige Zeit beschäftigt sein werde, bevor ich ein fundiertes Urteil über mein altes Ich fällen kann, dass nicht von Erinnerung, sondern faktischen Verläufen gestützt wird. Selbst wenn das Urteil gegen mich fällt, wird die Erinnerung daran was war immer eine schwarze Zeit mit Rosa Wolken sein und dem Engel, der mich in den Himmel hob und irgendwann fallen ließ, nicht weil es wahr war, sondern, weil es für die Geschichte meines Lebens und der Lore dahinter notwendig war meinen Geist stabil zu halten, zu überleben. In diesem Sinne...

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