9/11/2026

Manchmal braucht es etwas Wunderliches

Ich muss ja gestehen, dass ich meine Blutwerte eher wie eine nervige Begleiterscheinung der Therapie gesehen habe seit einiger Zeit, weil sie so oft genau entgegen dem herauskamen, wie ich meinen gesundheitlichen Zustand selbst empfand und vor allem der ein oder andere Wert eskalierte regelmäßig und ich habe schon oft dafür plädiert, Blut in der Mitte der Woche abzunehmen und nicht nach der Phase, wo Menschen vielleicht wahrscheinlicher Mal über die Stränge schlagen. Ich kann mindestens drei dieser "Werte" mit Veranstaltungen auf einem Sonntag erklären und irgendwann nimmt man es einfach als gegeben hin, dass die Werte absolut nicht den Lebenswandel widerspiegeln, sondern wie ein Schlag in die Fresse immer wieder sagen: "Du betrügst dich selbst!", möglich!

Dieser Mittwoch war jedoch anders, die Art und Weise, mit welcher persönlichen Missachtung, ja fast Angewidertheit mir mein behandelnder Arzt den Zettel mit meinen Werten hingeschmissen hat, garniert mit einem: "Werte sind schlecht und chaotisch, ich gebe auf!", und dann direkt weiterging zum nächsten und übernächsten, wo er ähnlich angepisst war und am Ende sogar fast mit einer vernichtenden Generalkritik begonnen hätte, erinnerte mich sehr stark daran, wie es in der Schulzeit war, wenn es Lateinarbeiten zurück gab, Klassenschnitt 4,9 und der schlechteste wurde noch herausgehoben, ich kannte das Gefühl also. Der Unterschied ist bloß, dass ich es damals komplett gerechtfertigt fand und es sich eher wie eine Adelung anfühlte, weil keiner irgendwas für die Klausuren tun konnte, es war einmal im Quartal die Möglichkeit unseres Lateinlehrers seine Abneigung und Verachtung unserer Klasse gegenüber auszukosten und etwas zurückzugeben, ich versteh das alles, wir waren diesbezüglich eine mafiöse Versagertruppe und das Schlimmste stolz drauf.

Doch diese Schelte traf mich ins Mark, weil ich seit Jahren mit diesen Werten kämpfe und ja vielleicht habe ich dieses Jahr irgendwie auch aufgegeben gehabt, andererseits hätte ich ihm gern erklärt, dass es der Anfang von einem neuen Anlauf war in dem ich alles wegließ, was irgendwie Einfluss auf den Wert gehabt hätte und einfach nur unkontrolliert gegessen habe, um einen Wert dafür zu bekommen, wie schlimm es ist, wenn ich NICHTS tue, kann er nicht wissen, da wir nicht drüber reden konnten, naja. Seit vorgestern ist der Diszi-Modus jetzt wieder eingeschaltet und ich zähle wirklich zu allem, was ich esse nicht nur die Kalorien, sondern vor allem die den betreffenden Wert beeinflussenden Inhaltsstoffe und dabei fiel mir direkt nach 2 Tagen auf, dass ich mal auf nem guten Weg war, weil ich mich eine lange Zeit von gewissen Dingen fern gehalten habe, dann aber mehr und mehr in alte Muster gefallen bin und es irgendwie außer Kontrolle geraten ist, weil ich auch wenn ich mich die ganze Woche zusammenhielt ausgerechnet am Wochenende meinen unbewussten Cheat-Day nahm und aß, wonach mir war, vielleicht auch, weil es der Tag der Woche ist, wo ich in der Kita bin und kein geregelter Ablauf in meinem Essen ist, da muss es dann ein halber Camembert sein, die Portion Pommes und am besten noch mit einem ganzen Paket hart verarbeiteten Schinken, Schokolade und am Abend noch ein halber Liter Cola um wach zu bleiben, weil man es ja nicht umsonst gekauft haben will, für die zwei drei Mal im Jahr, wo der Blutdruck soweit absackt, dass man die wirklich braucht.

Was jetzt geschieht ist eine dokumentierte und mit der Unterstützung von Küchenpersonal und künstlicher Intelligenz Kontrolle der Inhaltslisten von ALLEM, was ich in meinen Tempel lasse und die Lebensmittelindustrie ist diesbezüglich nicht unbedingt hilfreich, doch wenn man das Wissen der ganzen Welt anzapfen kann, kommt man auf erstaunliche Ergebnisse. Nicht nur, dass ich dank dieses Arztes seit mindestens 6 Wochen täglich eine Paprika esse, um wenigstens meinen Vitamin C Mangel im Griff zu haben, ich habe diverse Supplements angeschafft, weil ich weiß, dass ich sie nicht mit der Nahrung bekomme, bzw., dass mein Stoffwechsel sie einfach nicht benutzt oder sonstwas damit anstellt. Man lernt unglaublich viel über Lebensmittelchemie und industrielle Herstellungsverfahren, dass man eigentlich komplett aufhören will zu essen, was ich mir jedoch auch nicht leisten kann, da die Therapie allein so viel Energie schluckt, dass es ein stetes Austarieren von Gleichgewichten ist, nicht zu viele "Schadstoffe", dennoch "energiereich" und dem Körper alles zuführen, was man durch Nahrung nicht bekommt in Form von Tabletten. Dazu noch eine hier tatsächlich mal hilfreiche vermeintliche Laktoseintoleranz, die ich auch viel zu lange ignoriert habe. Am Ende normalisiert sich noch mein Stuhlgang, dann raste ich aber aus.

Der einzige Nachteil, den ich bislang erkenne ist, dass die ganze Nummer unglaublich viel Zeit frisst, durch die ganze Abgleicherei und Lebensmittel prüfen, da muss man manchmal viermal das gleiche Produkt von anderen Anbietern gegeüberhalten, damit man nicht aus Versehen das nimmt, das maximal in die falsche Richtung geht und damit all die guten Ansätze in Keim erstickt, oder die Tagesbilanz mit einer unbedacht aus dem Kühlschrank gesnackten Scheibe Käse komplett in den roten Bereich schiebt, jeder der mal mit Kalorienzählen abgenommen hat, kennt den Spaß, da ist es gerade nicht hilfreich, dass die Schilddrüse den Funny van Dannen macht und bedenklich in die Unterfunktion rutscht, weil sie seit vor 4 Wochen eine bedenkliche Überfunktion bestand nur noch die Hälfte an Hormonen zugegeben wird und meine Stimmung sich langsam aber sicher immer wieder zwischen tief melancholisch und komplett wasted befindet und ich bei 26 Grad drei Schichten Kleidung trage, schwitze und mir trotzdem kalt ist als würde ich von H entwöhnen. Sorry, wenn das für den Ein oder Anderen zuviel Innenleben war, so geht's mir grade und ich hoffe ihr nehmt es mir nicht übel, dass ich derzeit nicht sehr viel auf E-Mails antworte oder mich kaum melde, irgendwann wird sich das eingespielt haben und dann bin ich wieder voll da, soweit das eben möglich ist mit dem kaputten Ding, in dem ich lebe.

Abschließend möchte ich Danke sagen, für die vielen kleinen Wunder und auch für Menschen, die den Schuß vor'n Bug unbewusst so gezielt setzen, dass selbst so ein Schlafschaf wie ich nochmal wach werden und einen neuen Anlauf wagen, denn ich kann ja nicht ständig, Leben, Liebe und Willen predigen, mich aber selbst komplett vernachlässigen, also "ASCH HU", in diesem Sinne...

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