Hey Leute, ich hoffe für euch und euer Seelenheil, dass ihr nicht zu viele solcher Leute kennt, die ich gern als Persönlichkeitshüllen bezeichne, Menschen, die leer sind, nichts Eigenes haben, keine Hobbys, keinen Geschmack, noch nicht einmal Emotionen. Ich bin immer noch kein Psychologe und kann nicht einschätzen, wie krankhaft das ist und wieviel davon unkontrolliert ist und wieviel davon gewollt, allerdings kann ich euch davon berichten, wie es sich für mich als empathischen und wohl auch recht extrovertierten Menschen anfühlt mit so jemandem Umgang zu pflegen. Ehrlich gesagt frage ich mich manchmal selbst, warum, denn alles daran schreit nach Energievampir und Kampf gegen Windmühlen, schon klar.
Jemand, dem die natürliche Fähigkeit zu fehlen scheint, Entscheidungen zu treffen, muss sich stets auf die Entscheidungsfähigkeit anderer verlassen und dann mit den Konsequenzen der Entscheidungen leben, die ein anderer für ihn getroffen hat. Nehmen wir diesen Post, ich habe entschieden, nicht zu gendern (ich weiß alter Hut, bla bla), die Konsequenz ist, dass man mir das vorwerfen könnte, mein Grund ist einfach, dass ich im Schreibfluss schlichtweg nicht darüber nachdenke und die Botschaft nicht hinter sprachlich politischer Korrektheit verschwinden soll. Ich mache mir Gedanken, welche Konsequenzen mein Handeln hat und reflektiere im Nachhinein darüber, ob sowohl meine Intention als auch die Umsetzung dessen, was ich geplant habe für mich, nur für mich persönlich so ist, dass ich dahinter stehen kann und damit zufrieden bin. Und nach jahrelanger Übung, in der ich gelernt habe, dass man nicht everybody's darling sein muss, um ein guter Mensch zu sein hat sich aus dem Ei des Ja-Sagers und Sich-Ausnutzen-Lassers eine mittlerweile durchaus lebens-, für manche sogar liebenswerte Persönlichkeit herausgeschalt.
Zurück zu unserem Persönlichkeitslosen, wie regelt er sein Leben? Ich versteh es halt nicht, ich sehe das wie und ich sehe das Scheitern, das immerwährende Scheitern und keinen Lerneffekt, wie geht sowas? Selbst als Empath fällt es mir unglaublich schwer mich in jemanden herein zu versetzen, der keinerlei Wille und Motivation hat die beste Version von sich selbst zu sein und stattdessen das Abziehbild von Jemandem, dem er versucht nach dem Mund zu reden oder dessen Probleme zu spiegeln, dessen Interesse zu kapern oder einfach nur so zu tun, als sei er wichtig oder würde auch nur eine Sache in seinem Leben selbst Planen oder Durchführen. Machen wir es mal konkret: Ich setze mich an den Frühstückstisch und dort sitzt schon, nennen wir ihn der Einfachheit halber den Käpt'n, ihr könnt davon ausgehen, dass er mir etwas zu essen anbietet (dazu muss man wissen, dass ich seit 30 Jahren nicht frühstücke) und der Käpt'n müsste Das wissen, denn er kennt mich noch länger, doch da er in dieser Situation sein automatisiertes Programm Frühstück abruft kommt es zu dieser Frage. Stellt euch das so vor, der Käpt'n hat gelernt, wie man "Normalität" nachahmt. Das Problem dabei ist, dass er nicht begriffen hat, dass "Normalität" für jedes Individuum anders ist. Anderes Beispiel, dass es vielleicht klarer macht: Drei Leute im Raum tun so, als würden sie gerne eine Serie mögen, der Käpt'n mag diese Serie nach kürzester Überzeugungszeit, oder schon direkt auch. Wenn man ihm dann sagt, dass man das gar nicht ernst gemeint hat, ihr könnt davon ausgehen, er wird die Serie auch nicht mehr mögen, natürlich mit leichter Verzögerung, denn er muss ja erst die neuen Informationen anpassen, wenn man dann wieder zurück wechselt, dieses Spiel könnte man ewig fortführen. Noch spannender wird es bei Meinungen zu komplexeren Themen, wo man sich vielleicht gar keine so klare Abgrenzung zutraut, weil man nicht genug Informationen für sich selbst herausgearbeitet hat und die Meinung damit offenhält, der Käpt'n wird alle Standpunkte so vertreten, als seien es die Eigenen und ist im Nachhinein verwirrt, dass man selbst keinem folgt. Entscheidungen, der Käpt'n wird zu einer einfachen "Ja" oder "Nein"-Antwort getrieben, vergesst es, ihr werdet nur Konjunktive bekommen. Solange bis irgendjemand eine Antwort gibt, dieser schließt er sich dann gerne an, "puh, Glück gehabt, jemand hat das durchdacht und kann die Konsequenzen abschätzen, auch für mich, super". Leider hat man sein falsches Spiel mittlerweile durchschaut und lässt ihn, also ich tue das sehr bewusst mittlerweile (nicht um ihm zu schaden, sondern ihm vor Augen zu führen, was mit ihm los ist) regelmäßig gegen die Wand laufen.
Ich möchte euch noch ein Beispiel von früher nennen, was ich nie vergessen werde. Ein gemeinsamer Bekannter schrieb mir einst, wie überrascht er war, dass der Käpt'n so viel Ahnung von Popkultur hat. Dieser jemand war selbst recht bewandert, wie ich feststellte, a-Bär frag den Käpt'n mal: "Was ist Bubatz?", damit kann der nichts anfangen und so war es auch schon damals, ich war damals fasziniert, wie er jemand einigermaßen Fremden so hinters Licht führen konnte, dass dieser glaubte einen Experten in Popkultur vor sich zu haben, der wahrscheinlich aber nicht einmal die Namen der vier Teletubbies zusammenbekommt oder denkt, dass die Hauptfigur in "Alien" von Sigourney Weaver gespielt wird und Ellen Ripley heißt. Ich weiß nicht, ob das gute Beispiele sind, jedoch kenne ich es aus meiner eigenen Vergangenheit mit dem Käpt'n, wie er plötzlich eine Zeitlang der große Power-Metal Kenner und Verfechter war, solange bis man ihn dann mal auf die Probe gestellt hat, denn das ist wirklich eines meiner Fachgebiete und feststellen musste, dass er sich nie mit dem Thema befasst hat, vielmehr das nachgeplappert hat, was er irgendwo in einem Gespräch anderer darüber aufgeschnappt hat. Da ist nichts Eigenes, ich bin Filmfan, immer schon. Eine Zeitlang kam er immer wieder mit "neuen Infos" um die Ecke, die für mich längst ein alter Hut waren, wenn man dann nach den Quellen fragte, kam meistens ein, habe ich irgendwo gehört oder (oh ja ich erinnere mich) Fernsehzeitung. Das Ding dabei war halt, die kam zweiwöchentlich heraus und hatte damit recht veraltete Infos und der Rest der Infos kam von mir selbst, wenn ich bei gemeinsamen Aktivitäten davon geredet hatte. Einst rühmte sich der Käpt'n damit immer auf dem neuesten Stand der "Mallorca-Charts" zu sein und tat so, als würde er jede Woche den neuesten Scheiß irgendwoher organisieren und dann für sich zusammenstellen. Die Realität ist, ich habe ihm regelmäßig CDs gebrannt, weil ich damals noch dachte, ihm damit zu gefallen und vielleicht auch mal ein wenig Lob und Dank zu bekommen, bis es irgendwann in meiner Birne ankam, dass ich bloß sein Zulieferant für "Fame" war und er von Anderen noch den Dank einheimste für "Seine Großartigkeit". Ihr kennt mich ich bin kein Neider, a-Bär wenn jemand sich dafür feiern lassen muss, dass er einen Parkplatz fegt, obwohl am Wochenende Sahara-Sand angesagt ist oder für's Schneeschieben am Sonntagmorgen um halb 8 obwohl Temperaturen um die 10 Grad angesagt sind und spätestens um 9 alles weggeschmolzen wäre, dann ist das mehr als Persönlichkeitslosigkeit, dann ist das... tja, was ist das? Ich versteh es nicht, sorry für den Rant, in diesem Sinne...
Habt einen schönen Sonntag, ich muss zur Kita! :-)