"Es gibt eine prinzipielle Verarschlochung der Gesellschaft"
(Serdar Somuncu)
Ich hoffe ich habe das hier richtig zitiert, denn es sagt genau das aus, was mir auffällt und ich gucke ja quasi von außen auf diese Gesellschaft. Das klingt merkwürdig, allerdings war ich seit ungefähr acht Jahren diese Woche das erste Mal wieder in einem Selbstbedienungswarenhaus voller Menschen. Mein Psychiater hat gesagt, ich soll es einfach versuchen, gesagt getan, war gar nicht so schlimm, ich konnte ganz gut die unfassbar vielen Eindrücke schlecht gelaunter Arschlochmenschen um mich herum ausblenden, weil mich das schiere Angebot komplett eingenommen hat. Ich erinnerte mich an früher, da war noch nicht so viel oder? Wasser, es gibt nicht bloß unzählbar viele Marken, es gibt auch noch gefühlte zehntausend Geschmacksrichtungen, woher soll ich wissen, was ich davon mag, ich brauche ein halbes Leben um die durchzutesten, wenn ich dann weiß, welches ich mag, ändern die die Rezeptur oder nehmen es aus dem Sortiment, what the fuck? Als ich mich einigermaßen eingekriegt habe und der völligen Überlastung meiner Synapsen Herr wurde merkte ich wieder die unangenehmen Dinge, die mit mir im Laden waren, die Menschen und ihre Gedanken von Hektik, Hass und Hetze (ja sorry, mein Spatzenhirn kann sich seine Wortspiele nicht verkneifen; mit Hetze meine ich natürlich die Gehetztheit, die ich mit Hektik ja schon erwähnte).
Im Ernst, alle Menschen hier wirkten, als wenn sie von irgendwo auf dem Weg nach irgendwo waren, keiner fühlte sich emotional im Hier und Jetzt und wenn man sich dann kurz die Zeit nahm sie zu beobachten, wilde Tiere, wirklich. Einkaufswagen als Argument benutzend, einen Anspruch auf den Platz im Gang zu haben, schneller an die "einzige" Quetschflasche rotem Tomatensafts zu kommen, wo doch das ganze 20 Meter-Regal voll damit ist und auch noch in unzählbaren Variationen. Man stelle sich vor, jemand wüsste nicht, was er will und wie unfreundlich man darauf hingewiesen wird, nicht bloß da rumzustehen und zu staunen. Ich nehm doch keinem was weg, wenn ich mich bloß umgucke, was stimmt nicht mit den Menschen? Weil mir alles viel zu schnell ging ließ ich Leute an der Rolltreppe vor und wurde mit argwöhnischen Blicken gestraft, warum ich denn nicht gehetzt versuche vor ihnen zum Parkdeck zu fahren, wahrscheinlich dachten sie, ich hätte frei und würde dem Leistungsdruck entfliehen und mich nicht zu Tode schuften für das Allgemeinwohl und wie ich nur so sein könnte, während sie in der Mittagspause ihren Wocheneinkauf machen, damit sie nach der Arbeit noch ins Fitnessstudio können um ihren von der Scheiße verfetteten Körper dessen, was sie im Einkaufswagen haben zu befreien und irgendwann auch noch mal bei der Frau zum Stich zu kommen, die sie geheiratet haben, als diese noch jung und schön war.
Da kommt mir die Idee, dass Hass ansteckend sein könnte und wir ihn in unseren Alltag so integriert haben, wie wir Haustiere domestizierten, einst, als wir selbst faktisch noch Wilde waren. Spannend auch, dass es DER Hass ist und DIE Liebe, eigentlich sagt das auch direkt alles über unsere Welt aus, was man wissen muss, ich weiß nicht warum ich damals angefangen habe mich aus dem Außen in meine kleine Wohnung zurückzuziehen und ein Leben in der Einsamkeit bevorzuge, jedoch sind es diese Ausflüge in die Welt da draußen, die mich bestätigen. Diese Welt hat einfach nichts für mich zu bieten, was ich vermissen würde, wenn es nicht da ist. Und ich glaube, diese ganzen unglücklichen Menschen, die ich heute getroffen habe, sehen das so ziemlich ähnlich, jedoch fehlt ihnen der Mut sich das einzugestehen. Nicht einer hat zurückgelächelt, das war früher immer noch so ein Tagesretter für mich und oft wurde mir gesagt, dass ein Lächeln auch den Tag eines anderen Menschen besser machen würde. Aber wenn die Menschen da draußen überhaupt noch aufblicken von ihren Smartphones, dann um rumzumotzen oder sich als unzivilisierte Arschlochzombies zu gebären, nicht mehr meine Welt Freunde. Echt nicht!



















