Immer wieder höre ich die Frage: Ist der Klimawandel menschengemacht oder Gottes Wille?
Vielleicht ist das die falsche Frage.
Denn die Bibel beginnt nicht mit einem Auftrag zur Ausbeutung, sondern mit einem Auftrag zur Verantwortung. Im ersten Buch Mose heißt es:
„Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre.“
(Genesis 2,15)
Bebauen und bewahren. Nicht plündern und wegwerfen.
Die Schöpfung ist in der Bibel kein Lagerhaus, sondern ein Geschenk. Und wer ein Geschenk liebt, geht sorgsam damit um.
Der Prophet Hosea beschreibt eine Welt, die unter menschlichem Fehlverhalten leidet:
„Darum vertrocknet das Land, und alle seine Bewohner schwinden dahin; auch die Tiere des Feldes und die Vögel des Himmels vergehen.“
(Hosea 4,3)
Schon damals wurde verstanden, dass menschliches Handeln Folgen für die ganze Schöpfung hat.
Paulus schreibt später:
„Die ganze Schöpfung seufzt und liegt in Wehen.“
(Römer 8,22)
Vielleicht klingt das heute erschreckend aktuell.
Aber Liebe fragt nicht zuerst nach Schuldigen.
Liebe fragt: Was kann ich tun?
Die größte christliche Tugend ist nicht Rechthaberei, sondern Liebe.
Liebe zur Schöpfung bedeutet, den eigenen Verbrauch zu hinterfragen, verschwenderische Gewohnheiten zu überdenken und die Welt so zu hinterlassen, dass auch kommende Generationen darin leben können. Liebe bedeutet aber auch, Menschen nicht gegeneinander auszuspielen. Weder diejenigen, die große Sorgen haben, noch diejenigen, die skeptisch sind.
Denn Angst allein rettet nichts.
Liebe schafft Veränderung.
Und dann bleibt da noch die Frage, die wahrscheinlich einige von uns kennen:
Warum reden alle von Rekordhitze, während ich nachts mit Wärmflasche schlafe?
Nun, Wetter und Klima sind nicht dasselbe.
Wenn ich im Dezember einen warmen Tag habe, ist deshalb noch kein Sommer. Und wenn ich im Juni friere, ist deshalb noch kein Winter.
Außerdem sind wir Menschen verschieden. Manche sitzen bei 30 Grad im Schatten und schwitzen.
Andere holen die Strickjacke heraus und fragen sich, ob jemand das Fenster zugemacht hat.
Gott hat uns unterschiedlich geschaffen.
Die Wahrheit über das Klima entscheidet sich nicht daran, ob ich nachts eine Wärmflasche brauche. Und die Wahrheit über einen Menschen entscheidet sich nicht daran, ob er friert oder schwitzt.
Vielleicht liegt darin sogar eine kleine geistliche Erkenntnis:
Wir erleben dieselbe Welt oft völlig unterschiedlich.
Deshalb brauchen wir Demut.
Und deshalb brauchen wir Liebe.
Denn Liebe hört zu, bevor sie urteilt.
Liebe bewahrt, was ihr anvertraut wurde.
Liebe übernimmt Verantwortung.
Und Liebe erinnert uns daran, dass wir Gäste in Gottes Schöpfung sind - nicht ihre Besitzer.
Amen.

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