11/21/2024

Projekt: Top 250 – Kärbholz

Deutschrock – ein Begriff, der mittlerweile mehr auslöst als bloße Musikassoziationen. Viel zu oft wird er reflexhaft mit einem politischen Stigma belegt, zu oft in eine Schublade gesteckt, die mit der eigentlichen Musik und dem, was sie transportiert, nicht mehr viel zu tun hat. Kärbholz haben sich davon nie beeindrucken lassen und sich klar antifaschistisch positioniert – und auch wenn man „Musik trennt nicht, Musik vereint“ oft als Floskel hört, bei ihnen glaube ich es. Denn was bei mir ankommt, ist hymnischer Deutschrock mit Punk-Attitüde, eine raukehlige Umarmung, ein „Aufstehen, Weitermachen, Leben!“ in Akkordfolge.

Sie singen über das, was mich beschäftigt. Über das Leben, die Zweifel, den Trotz, die Hoffnung. Manchmal klingt es, als hätten sie in meinen Kopf geschaut und dann aus dem, was sie dort fanden, eine verdammt gute Rockplatte gemacht. Und ja, ich merke, wie viel Motivation in ihrer Musik steckt. Wie sehr sie mir manchmal aus der Seele sprechen, wenn ich selbst kaum Worte finde.

Ich müsste mich bedanken – nicht nur bei ihnen, sondern bei Dutzenden, Hunderten, Tausenden Künstlern, die mich durch die Jahre begleitet haben. Vielleicht tu ich das noch, irgendwann, in einem Dankesbrief an die Musik.

Aber hier geht’s um Kärbholz. Und die haben ihren Platz hier sowas von verdient. Wenn es einen Soundtrack für den Weg zum Wieder-Aufstehen gäbe, sie wären drauf.

Für alle, die mal reinhören möchten, gibt es hier, wie immer den Spotify-Link zur Band und für mehr Infos den last.fm-Link zur Band.

Dazu die wöchentlich um 20 Titel wachsende Playlist mit je 2 Titeln pro Top 250 Künstler:

Projekt: Top 250 – Kissin’ Dynamite

„Steel of Swabia“ von Kissin’ Dynamite kam 2008 raus und für mich war es die Neuentdeckung des Jahres – wenn nicht sogar des Jahrzehnts. Und das Beste: Die waren noch nicht mal 18. Da stehen ein paar Halbwüchsige auf der Bühne und rotzen dir einen Sound hin, der klingt, als hätten sich Edguy, Bon Jovi und Skid Row für ein gemeinsames Glam-Metal-Revival eingeschlossen – irgendwo zwischen den 80ern und einer viel zu guten Schulband aus dem Schwabenland. Ich war stunned, weil ich mir nicht erklären konnte, wie so junge Musiker so souverän abliefern konnten. Kein peinlicher Abklatsch, kein juveniler Versuch, sondern echter Hard Rock mit Herz und einem Gespür für große Melodien, größere Refrains und noch größere Attitüde. Und klar, „Steel of Swabia“ lief bei mir rauf und runter. Monatelang. Ich war Fan. Einer dieser seltenen Fälle, wo man sofort weiß: „Die gehören zu meinen Leuten.“

Was danach kam, habe ich immer mit Interesse verfolgt, aber dieses erste Album ist und bleibt für mich der Maßstab. Und ja, spannend wäre wohl gewesen, wo Kissin’ Dynamite mit den verlorenen sieben Jahren in meiner Statistik gelandet wären. Aber who cares? Sie sind hier, verdient, laut, und mit jeder Menge Swabia-Steel in meinem Herzen.

Für alle, die mal reinhören möchten, gibt es hier, wie immer den Spotify-Link zur Band und für mehr Infos den last.fm-Link zur Band.

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11/19/2024

Filme immer seltener Chance zum Eskapismus?

Wenn ich heutzutage Filme gucke, dann habe ich oft das Gefühl, dort will man mir etwas predigen oder mir Themen des Alltags erklären oder selbst unerklärbare Phänomene irgendwie greifbar machen, Filme wurden in den letzten Jahrzehnten immer exakter und realitätsnaher (sieht man mal davon ab, dass die Figuren darin nach Schema F funktionieren und kaum noch entwickelt werden).

Machen wir mal ein Beispiel: In den 80er/90ern hat man einfach eine Einmann-Armee gegen irgendwelche Schurken in ein Kriegsgebiet geschickt mit der Aufgabe irgendwen zu retten und dann konnte dieser Eine gegen eine Armee mit Panzern und Helikoptern überleben und am Ende gar die Mission erfüllen und die Frau bekommen. Die Storys waren einfach und man konnte sich in eine Welt flüchten, die deutlich leichter war, als jene die wir jeden Tag um uns herum erleben. Nicht unbedingt leichte Unterhaltung aber geradlinig und jeder konnte selbst urteilen, ob das Gezeigte zu kritisieren ist und die Meinung blieb beim Zuschauer. Mittlerweile würde so ein Krieg angereichert mit einer tragischen Backstory der Hauptfigur, die dann zwischendrin immer wieder zaudert und zetert, wie schlimm eigentlich das Töten ist und Krieg verurteilt und mir am besten auch noch erklärt, dass er sich gar nicht alleine durchsetzen kann und deswegen ganz viele Zufälle und Gefährten braucht, um am Ende die Frau zu retten, die dann aber emanzipiert genug ist und nicht bloß aus Dankbarkeit in der letzten Szene mit ihm rumknutscht. Den zweiten Film will ich nicht sehen. Mag vielleicht sein, dass ich damit schowinistisch oder einfach mit machismo daherkomme aber das ist doch nicht die Realität. Filme haben doch genau diese Möglichkeiten, überzeichnen, übertreiben, nicht so zu sein, wie die Welt in der wir jeden Tag leben. Und das in jedem Genre!

Klar war es ne zeitlang interessant, die Comicwelten, die völlig drüber waren in eine unserer Welt ähnlichen Realität zu erzählen und diese dann mit den Comicfiguren zu bevölkern, das hat vielen Figuren eine tiefere Ebene gegeben. Doch irgendwann war dann auch das auserzählt, ein gutes Beispiel ist : Dr. Strange, der in seinem ersten Film noch Meisterchirurg war und dann den Schmerz und Selbstzweifel gelernt hat, immer noch genial zu sein aber nicht mehr mit seinen Händen zu tun, was ihn ausmachte und dann wurde er plötzlich zum Zaubererchef und der tragische Verlust der Liebe seines Lebens ist nur noch ein Gimmick, hier scheisst man dann wieder auf Realitätsbezug, denn sowas verschwindet nie, NIE! Auch nicht bei Superzauberern, denke ich.

Ich glaube man versucht kaum noch künstlerisch zu sein und stattdessen nur noch das zu verfüttern, was das Publikum ohne großes Murren schluckt, richtiger Eskapismus findet dann nur noch in schlechtem CGI statt, was eben auch von vorneherein keine Immersion zulässt und verhindert, dass sich ein Fast & Furious oder Marvel oder sonst was blockbusteriges anfühlt, wie ein Abenteuer, das man selbst miterlebt und deswegen ist man nach dem Konsum eines solchen Films dann gestresster als vorher und kann nicht, wie in einem der klassischen Actionfilme einfach mal abschalten, mitfiebern oder sich gegebenenfalls mit abgeschaltetem Gehirn 90 Minuten den ganzen Stress von der Seele schießen, weil man mit der Filmfigur connected und mitfiebert und etwas von dem aufgestauten abbauen, was man in die nicht so ausstaffierte Figur von sich einbringen kann. Weiß nicht, ob mein Punkt klar geworden ist, führe das vielleicht mal fort, ist aber schon wieder arg lang geworden...

11/18/2024

Q& A bei 250.000 Aufrufen

Ja wow the fuck, zweihunderttausend Aufrufe, ich mach doch gar nichts, oder?

Wie auch immer, ich weiß nicht, ob ich es erwähnt habe oder auch nicht, 250.000 ist dann wieder ein Meilenstein für mich, und führt zu einer kleinen Q&A Runde. Also schickt mir ruhig unter der bekannten E-Mail Adresse Fragen zum Blog, über mich, was euch halt interessiert, gerne auch Themenvorschläge oder Kritik, ich bin euch so dankbar, dass ihr mir das Gefühl gebt, das was ich so in meinem Spatzenhirn produziere und in den Äther blase ist nicht bloß ein Online-Tagebuch eines schwer gestörten Dudes. Danke vielmals.

Genau darum

Essen mit Freunden - lockeres Cafe für Mitdreißiger - danach musst du zur Schicht und bittest mich zuhause sauber zu machen - bist schneller weg als ich Ciao sagen kann - vergisst deine ganzen Sachen und fährst los - auf dem Heimweg treffe ich alte Kumpels, die mit mir zum Fußball wollen - ich sage ab, um dir deine Sachen zu bringen - Quickie in deinem Raum - dann nach Hause und sauber machen - dann noch kochen und die Wohnung für dich herrichten - du kommst pünktlich heim, bist stinksauer, dass du Bereitschaft hast und kannst dich nicht über das Essen, die Deko und die Mühen freuen, die ich mir gemacht habe…

Die Frage ist jetzt, wie kriege ich es hin mir nicht anmerken zu lassen, dass meine Mühe förmlich nicht gesehen wird? Ich lasse dich schlafen und stell dir was vom Essen in die Mikrowelle. Dann bereite ich schon einmal das Frühstück vor, indem ich alles auf dem Tisch anordne wie ein großes Smilie. Früh am nächsten Morgen höre ich dich laut lachen, während du dich zum Dienst aufmachst, schönstes Lachen, dafür ist es jede Mühe wert, darum lieb ich dich!

Lass ich so stehen!

Ignoranz ist keine Meinung

Meinung ist kein Wissen

Wissen allein ist keine Macht!

11/16/2024

Stanleys Top 100 Vol. 30

Fast ein Jahr hat es diesmal gedauert, ich war so oft kränklich und am Rande einer wiederkehrenden Depression, ich fühle mich so verloren an manchem Tag und ich denke das hört man hier auch. Viel Spaß euch, bis wir uns wiedersehen, ruft ruhig mal an, wenn es eure Zeit erlaubt.


11/15/2024

The real Meisterschwester is back

Es gibt Menschen, die sind einfach nicht so gut für den Blutdruck, sie schaffen es, dass man sich innerhalb kürzester Zeit schlecht fühlt und wenn du dann noch ein Empath bist, nimmst du dir auch noch deren Gefühlswelt an und bist plötzlich genervt, lustlos und willst im Grunde jeden anmeckern.

Ein paar Zitate des heutigen Nachmittags:

„Blutdruck? Da brauch ich eh nur zwei Werte“ (auf die Frage, warum man eigentlich den ganzen Nachmittag die Blutdruckmanschette um den Arm hat)

„Kollegin soll selbst klar kommen“ (nach dem unten der Alarm ging)

„Kälte? Ist wohl dein Problem!“ (zu mir, als ich meinte, dass mir kalt sei, wenn das Fenster auf bleibt)

„Guck mal, Dubai Schokolade, ha ha dumme Menschen“ (Kommentar zu TV-Bericht)

„Brauchst du auch eine KI-Partnerin für den Urlaub?“ (Frage an mich als Kommentar zu TV-Bericht)

11/14/2024

Projekt: Top 250 – Axxis

Kuschelmetal. Das ist vielleicht kein offizielles Genre, aber wenn es eins gäbe, Axxis wären für mich ganz vorne dabei. Denn in einer Zeit des akuten Liebeskummers, als ich zwischen Melancholie, verdrückter Tränen und dem Wunsch, mir einfach nur die Welt wegzubrüllen, nach einem musikalischen Kompromiss suchte, waren Axxis meine Antwort. Nicht so übertrieben, nicht so druckvoll wie ihre großen Brüder im Power Metal. Aber genau deshalb perfekt für die ruhigeren Stunden. Für’s Sitzen im Regen, für’s Nachdenken, für’s innerlich Schreien – aber immer mit Melodie.

Und dann stehst du plötzlich auf dem Rockharz, leichtes Nieseln, mit dem Besten an der Seite, die Gedanken bei der Pusteblume, die gleichzeitig auf einer anderen Bühne irgendeinen Metalcore-Kram wegschädelt. Und Axxis? Die starten nicht mit Musik. Stattdessen steht da einer und quatscht auf Kölsch ins Mikro. Und ich so: „Bin ich hier vor der falschen Bühne gelandet?“ Denn sorry, der kölsche Dialekt ist für mich mindestens so schwierig wie Bayerisch – a-Bär is halt Geschmackssache.
Doch dann – der erste Schock überstanden – kommt die Musik, und es ist gut. Es ist wärmend. Es ist vertraut. So wie die Band eben ist: Melodisch, ehrlich, charmant, mit Ecken und Kanten, aber ohne den Zwang, jedem zu gefallen. Und das war eine richtig schöne Zeit. Mit dem Besten. Mit der Band. Mit dem Regen. Und mit dieser kleinen Erinnerung daran, dass Musik manchmal genau da tröstet, wo Worte versagen.

Frühere Axxis-Sachen mag ich vielleicht etwas mehr. Aber das ist wohl oft so: Die Ära, in der man eine Band entdeckt, bleibt einem immer am meisten hängen. Und genau deshalb ist Axxis hier – als Teil meines Soundtracks durchs Leben.

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Projekt: Top 250 – Beast in Black

Stellt euch vor, ich hasse ABBA – wirklich, aus tiefstem Herzen. Und trotzdem liebe ich Beast in Black. Das klingt paradox? Ist es vielleicht auch. Denn im Grunde klingen sie, als hätte man ABBA durch einen Fleischwolf gedrehtDouble Drumming dazugegeben, E-Gitarren angeschlossen, und die Stimmgewalt auf unendlich gestellt. Und was dabei herauskommt, ist einfach unfassbar geil. Wenn einem Lordi nicht poppig genug sind und Sabaton zu marschmusikartig, dann sind Beast in Black genau richtig. Es ist dieser harmonische Power Metal, mit ordentlich Synthie-Kitsch, der mir das Herz aufgehen lässt und mich beim Zuhören direkt jemanden umarmen lassen will. Ja, genau so kitschig. Aber auch so ehrlich. So groß, so emotional, so eingängig, dass es fast schon wieder peinlich ist – wenn es nicht so unglaublich gut funktionieren würde.

Es gibt aktuell drei Alben bei Spotify und allein From Hell with Love habe ich bestimmt 20 Mal komplett durchgehört – was in meiner Welt schon extrem viel ist. Aber auch die anderen beiden sind immer wieder in der Rotation, und das will was heißen. Denn bei mir bleibt nicht viel lange hängen.  Und deshalb: Ich würde sie ohne jede Einschränkung empfehlen, allen, die sich auch nur einmal ins Genre verirrt haben. Und sei es nur aus Versehen. Wer da nicht mindestens mit dem Fuß mitwippt, hat kein Herz. Oder kein Gehör.

Für alle, die mal reinhören möchten, gibt es hier, wie immer den Spotify-Link zur Band und für mehr Infos den last.fm-Link zur Band.

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