9/15/2026

Efilismus und Pro-Mortalisten (enthält möglicherweise Trigger!)

Vorab nochmal ne kurze Warnung, ich benutze zum Teil anstößiges Wortmaterial, sehr kontroverse Ideen und äußere meine Meinung, es geht hier um Mord, Tod, Selbstmord und anderes morbides Zeug, wenn ihr derzeit eher instabil seid, bitte lest das nicht!

Was kommt jetzt? Der Typ, der immer von Liebe und Leben als höchste Maxime schreibt, will plötztlich was über das genaue Gegenteil schreiben? Nunja, so "plötzlich" ist das eigentlich gar nicht, wenn man mal zurückblättert und feststellt, dass ich tief im Inneren ein absoluter Menschenfeind bin, weil ich so Vieles, was Menschen tun, wie sie es tun, striktens ablehne. Ja, ich hatte auch mal eine Phase, wo ich im Internet hätte falsch abbiegen können und wäre genau bei diesen Leuten gelandet und meine Weltvernichtungsphantasien hätten nicht bei einem Virus gestoppt, der nur die Dummen auslöscht und eine Evolution der Menschheit durch "Reinigung" von Dummheit, ich bin ehrlich, ich war tatsächlich irgendwann auch an dem Punkt, dass ich wie diese Menschen Dinge dahergefaselt habe, dass es für mein Leben keinen Konsens gibt. "Niemand hat mich gefragt, ob ich leben will.", was klingt wie Emo-Mimimi habe ich wirklch mal gefühlt, jeder oder? Das waren dann die Emo-Phasen, die wir damals Depri-Phasen nannten, weil niemand ein Emo sein wollte, im Ernst, ich glaube als Jugendlicher denkt man unweigerlich irgendwann mal an die Vergänglichkeit und den Sinn des Lebens und solcherlei, und wenn es dann mal nicht so läuft, dann wird das ganz schnell fatalistisch. Im Normalfall wächst sich das raus, oder? Bei mir persönlich wurde das zum Schutzschild, als ich wirklich depressiv war konnte man sich so die ganzen Schulterklopfer und "Lächel mal"-Sager vom Laib halten und in der dunklen Szene machte es einen noch trver, Blackmetal hören, das ganze Erscheinungsbild schreit Hass und keiner stellt mehr dumme Fragen, ja ich hab auch diese Zeit dieser Mischung aus gemeinsamer Todessehnsucht, die ein Schrei nach Liebe war und alle Schuld im Aussen suchen genossen, doch das was daraus entstand waren im besten Fall Gedankenexperimente. Keiner von den Leuten mit denen ich mich umgeben habe, sah darin mehr als eine Art Cosplay für die Welt außerhalb der Subkultur, im Alltag in Schwarz rumzulaufen und Menschen mit hasserfüllten Blicken zu strafen war da schon das höchste der Gefühle für viele. Denn das war ja das Ding, wir waren ja schlau genug, zu kapieren, dass man es sich am Ende leisten können muss, auf alles zu scheißen.

Aber mal zurück zu den wirklich weirden Efilisten, die das Leben einfach ablehnen, aus den verrücktesten Gründen, am Besten gefiel mir der, dass es nicht natürlich sei, darüber könnte man sicher auch länger philosophieren, will ich an dieser Stelle nicht tun, aber ist ein Ansatz, den ich fast nachvollziehen kann. Sammelt euch, sprecht euch aus und bemerkt irgendwann, dass Leben weitergeht und selbst im größten Scheißhaufen ein Klumpen Gold versteckt sein kann, isso, egal was ihr jetzt denkt. Und hey, wenn du wirklich der Meinung bist, das Leben nicht verdient zu haben oder nicht dein Einverständnis gegeben zu haben, leben zu wollen, ey es gibt ne Tür, die führt in die Geschlossene, da helfen die DIR, die machen das beruflich! Und wenn die Gedanken zu laut werden, 116117 oder statt auf die nächste Apokalypsen-Seite im Internet einfach mal nach nem Seelsorge-Bot suchen oder Hilfe, es gibt Auswege, wenn man sich festgefahren hat in seinem Denken.

Kein Ausweg ist es, sich Pro-Mortalisten anzuschließen, die der Meinung sind, es wäre gut Menschen zu töten, weil man ihr Leid damit beendet, BEENDE ERSTMAL DEIN EIGENES LEID, dann wirst du sehen, dass die meisten gar nicht leiden und selbst wenn sie es tun, es ihr ganz eigenes Leid ist, das ist nicht deine Aufgabe, keiner hat das Recht einen anderen Menschen zu töten, aus welchem Grund auch immer. Auch wenn ich merke, dass im Hinterkopf mein innerer Religiot zu Wort kommen will, das ist vollkommen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder was man sich sonst noch einreden kann, wo man anders wäre. Leben ist Leben (klar auch da kann man wieder abstufen, aber wir reden hier von "eigentlich gesunden Menschen", die einfach nur der Meinung sind, das Leben muss weg)

Ihr werdet hier kein "Bring dich um!", lesen, denn das würde ja allem widersprechen, was für das Leben ist. "Das Leben findet immer einen Weg", es ist also ganz und gar sinnlos zu argumentieren, dass man die Menschheit als ganzes auslöschen will, um den Planeten zu sterilisieren indem man eine Geburtsklinik in die Luft sprengt. Das ist für mich eher ein Beweis dafür, dass wir die Dummheit "rauszüchten" müssen, denn selbst wenn einige dieser Vollpfosten sowas als Anfang feiern, wieviele Mesnchenleben habt ihr damit genommen oder verhindert: 100-150? Wisst ihr wieviele Menschen es weltweit gibt? Ich glaube wir sind mehr! 9 Milliarden roundabout? Das ist ne Zahl mit 9 Nullen, ziehen wir mal 150 ab, ist das immer noch ne Zahl mit Zehn Stellen. Es ist nicht nur sinnlos, verachtenswert und falsch, es ist eben vor Allem noch DUMM. Und genau das ist die ganze Idee, auch wenn ich wie bereits erwähnt, den Gedanken durchaus nachvollziehen kann, dass es dem Planeten ohne UNS besser gehen würde, wer weiß das schon wirklich und wer bist du einer von 9 Milliarden darüber zu entscheiden?

Ich hätte tatsächlich einen Weg in diese Richtung, den ich respektieren würde, mach eine Umfrage, frag jeden Menschen, ob er leben will und wenn du viereinhalb Milliarden Menschen gefragt hast, dann fälle dein Urteil, ich würde behaupten, dann hast du ein erfülltes Leben gehabt und so viel gelernt, wie es in deinem begrenzten Umfeld von Weltschmerzlern nicht möglich ist, du wirst das Leben finden und auch wenn wir es viel zu oft vor Augen geführt bekommen, es ist gut, das Leben im Großen und Ganzen ist gut.

Science-Fiction und Fantasy altern anders (Immortal Pt. IV)

Science-Fiction und Fantasy besitzen deshalb tatsächlich ungewöhnlich gute Voraussetzungen für Langlebigkeit. Sie scheinen zunächst das Gegenteil allgemeiner Themen zu sein: Raumschiffe, fremde Planeten, Drachen, Magie und künstliche Intelligenz gehören schließlich nicht zum Alltag der meisten Menschen.

Doch gute fantastische Geschichten handeln fast nie wirklich von Drachen oder Raumschiffen.

Der Drache kann Gier sein. Das Monster kann Angst sein. Der fremde Planet kann Einsamkeit bedeuten. Ein unsterblicher König kann eine Geschichte über Macht erzählen, eine künstliche Intelligenz eine Geschichte darüber, was Menschlichkeit überhaupt ausmacht.

Fantasy und Science-Fiction besitzen den Vorteil der symbolischen Distanz. Sie können gesellschaftliche oder persönliche Fragen behandeln, ohne unmittelbar an eine bestimmte Gegenwart gebunden zu sein. Das erklärt auch, warum fantastische Motive im Metal so langlebig sind. Heavy Metal hat früh erkannt, dass Überhöhung hervorragend zur Musik passt. Große Gitarren verlangen beinahe nach großen Bildern: Krieg, Himmel, Hölle, Götter, Monster, Apokalypse. Doch unter dieser Oberfläche befinden sich häufig sehr menschliche Themen. Der einsame Krieger ist vielleicht nur ein Mensch, der sich ausgeschlossen fühlt. Der Kampf gegen einen Dämon kann Depression, Sucht oder Schuld bedeuten. Die zerstörte Welt kann eine politische Allegorie sein. Fantasy altert deshalb weniger über ihren Gegenstand als über ihre Ausführung. Ein bloßer Drache ist irgendwann nur ein Drache. Ein Drache, der etwas über den Menschen erzählt, kann bleiben.

Science-Fiction besitzt zusätzlich eine faszinierende Eigenschaft: Sie kann altern und dadurch interessanter werden. Ein Lied über die Zukunft aus dem Jahr 1975 erzählt uns heute gleichzeitig etwas über 1975. Welche Ängste hatte man? Welche Hoffnungen? Wie stellte man sich Technik vor? Eine falsche Zukunftsvision verliert deshalb nicht zwangsläufig ihren Wert. Sie kann zu einem kulturellen Fossil werden.

Ist DAS reflektierte Spiegelung oder Projektion?

War ich früher eigentlich auch so, als ich noch dachte, ich sei wichtig? Dass, der Mittepunkt der sicherste Platz ist, wenn die Welt ins Schleudern gerät? Man einfach nur immer ne coole Story parat haben muss, um anerkannt zu werden, es gar nicht peinlich rüberkommt, wenn man alles übertreibt, was man von sich gibt? Oder haben manche Menschen einfach wirklich so viel Zeug erlebt, dass sie zu Allem was zu sagen haben, auch wenn niemand fragt? War ich so?

Ich fürchte schon, das ist wahrscheinlich genau der Grund, warum ich das bei anderen kaum ertragen kann, weil sie meine "Lüge" widerspiegeln, wobei wirklich ausgedacht habe ich mir selten was, meist habe ich es nur bis zur Unkenntlichkeit ausgeschmückt und mich selbst zum Helden der Geschichte gemacht, natürlich, das macht der grandiose Narzisst so, der eigentlich nur so sein wollte, wie die Vaterfigur, der er nacheiferte, weil er nur die Maske sah, anderes Thema, kommt auch bald ein neues Album von Ruffy & Steve übrigens, könnt ihr euch schonmal vormerken (23.10.2026 Unter Geiern), sorry für die kleine Eigenwerbung an dieser Stelle.

Eigentlich sollte es ja um eine weitere Paulanergartengeschichte gehen, allerdings stecke ich mir das und sammle lieber noch ein wenig, dann kann man da vielleicht auch ein nettes Tribute-Album von machen, denn eigentlich mag ich den Schwafelkopp ja und er erzählt das ja auch in diesem onkeligen Ton, immer leicht gefärbt mit einer Note zwischen Neid und Bewunderung, nie ohne (ich glaub ich nenn ihn Reiner) seine Beteiligung und Meinung als richtig und wichtig zu manifestieren. Es gibt sie echt überall, das Positivste daran ist, dass ich es geschafft habe, aus diesem Spiel auszusteigen und einfach Ich sein kann, ohne Schminke, ohne Maske, ohne Show, das ist zwar oft ernüchternd und erschütternd blass, doch das bin dann ich. Die Kunst leben genug Aliases für mich aus. In diesem Sinne...

Bei der Abendsonne gehen die Meinungen auseinander

Natürlich lieben wir alle einen schönen Sonnenuntergang nach einem dementsprechenden Tag, weil er wie eine Klammer funktioniert, der Tag begann mit Sonnenaufgang und endet dann friedlich wieder in der Schwärze und bietet vorher nochmal ein Farbenspektakel, besonders schön am Meer, wo das ganze dann im Wasser noch wunderschöne Spiegelungen bietet, wie der Abspann eines guten Films, wo das Bild langsam in Schwarz rübergeht und die Endcredits kommen.

Ich habe den Sonnenuntergang früher viel seltener bewusst miterlebt, als die Aufgänge, weil ich meist in irgendwelchen Tanzbunkern oder auf Festen rumhing und in die schönsten Gesichter dieser Welt blickte oder im Sturzflug Richtung meines letzten Drinks war, bevor es überhaupt dunkel war. Ich habe nie darüber nachgedacht, dass die Sonne unfassbar hell ist, selbst wenn sie untergeht (ja ja, eigentlich dreht sich die Erde, schon klar, keiner mag Klugscheißer).

Heutzutage blendet es mich einfach nur noch, weil meine Augen im Laufe meines Lebens immer empfindlicher ihr gegenüber wurden, eine beachtliche Sonnenbrillenkollektion spricht eine klare Sprache würde ich sagen. Die Abendsonne als schön zu bezeichnen, fällt mir schwer, es ist die gleiche Sonne, die nachts woanders hell scheint oder am Mittag im Zenit steht, ich mag die Sonne, sie spendet uns das Leben und Wärme auf dem Planeten, ich würde nicht sagen, dass es tageszeitenabhängig ist sie schön zu finden. Es ist vielmehr die Stimmung, die Dämmerung erzeugt, oder? (Wie war das mit keiner mag Klugscheißer?) Ist doch so, dass wir das alles nur da reininterpretieren, wahrscheinlich sogar Erinnerungen einschießen, an einen oder mehrere besondere Sonnenuntergänge in der Vergangenheit. Auch wenn es sprachlich nicht falscher sein könnte, höre ich mich selbst sagen: "Der Sonnenuntergang während der Sonnenfinsternis war besonders, eine ganz besondere Stimmung!" Leben! Danke!

9/14/2026

"Ich hab immer an der Schiffswerft geespielt"

Stellen wir uns den kleinen Reiner vor, wie er in der Schiffswerft seines Onkels spielt und plötzlich erblickt er die Yachten der Saudis, die dort zur Wartung auf Kiel geholt sind (sagt man das so seemännisch?). Schon der Beginn der Geschichte erinnert mich daran, wie ich früher im Laden meines Opas gespielt habe und mich dort ans Klavier gesetzt habe und auf die Tasten eingekloppt habe, während er im Hintergrund lachte und sagte: "Man muss früh anfangen... ha ha ha", es gibt leider nur wenige Fotos von damals, die ich veröffentlichen dürfte. Schöne Überleitung, denn fotografieren war bei den Saudis auch nicht, wir sind gerade aus der Vergangenheit in der Zeit gesprungen. Sehr bestimmt habe man Reiner wohl darauf hingewiesen doch bitte alle Fotos auf dem Handy zu löschen und was war da nicht alles auf den Bildern, fünfzig Mann Bordpersonal und ein Hubschrauberlandeplatz auf dem Schiff und wahrscheinlich auch die Bilder von den schwarzen SUVs, und Pools und... "ja, die wissen wirklich nicht wohin mit dem Geld", "ich glaube ein Bild habe ich damals nicht gelöscht... ha ha ha", das war das gleiche Lachen, wie das meines Opas und dem war auch schon damals klar, dass ich nie Klavier spielen würde.

Warum Tagesaktuelles schwieriger ist (Immortal Pt. III)

Aktuelle Ereignisse sind dagegen gefährlicher Stoff. Ein Song über eine bestimmte politische Affäre, ein Prominentenskandal oder einen kurzfristigen Trend kann bei Veröffentlichung ungeheuer relevant wirken und zehn Jahre später eine Fußnote benötigen. Aber auch hier gibt es eine wichtige Ausnahme: Das Tagesaktuelle kann unsterblich werden, wenn das konkrete Ereignis stellvertretend für etwas Allgemeineres steht. Ein Antikriegslied über einen bestimmten Krieg kann weiterleben, wenn es letztlich von Macht, Verlust und der Absurdität des Krieges handelt. Ein Protestlied über ein konkretes Unrecht kann Jahrzehnte später noch wirken, wenn spätere Generationen darin Mechanismen erkennen, die sie aus ihrer eigenen Gegenwart kennen. Dann wird Geschichte zur Parabel.

Das bedeutet: Nicht Aktualität ist das Problem, sondern Abhängigkeit vom Kontext.

Ein Lied, dessen Pointe nur funktioniert, wenn man einen bestimmten Politiker, Meme-Trend oder Nachrichtenskandal aus einem bestimmten Monat kennt, besitzt ein eingebautes Verfallsdatum. Ein Lied dagegen, das dieses Ereignis benutzt, um über Korruption, Fanatismus, Gier oder menschliche Selbsttäuschung zu sprechen, kann den Anlass überleben. Gerade Satire muss deshalb eine zweite Ebene besitzen. Das konkrete Ziel darf verschwinden, während der Mechanismus dahinter verständlich bleibt. Ein Song über einen protzigen Influencer kann schnell altern. Ein Song über Menschen, die Reichtum vortäuschen, um gesellschaftliche Anerkennung zu bekommen, erzählt dagegen eine jahrtausendealte Geschichte. Schon antike Gesellschaften kannten Statussymbole. Heute ist es vielleicht der geleaste Supersportwagen; morgen ist es etwas anderes. Die Fassade bleibt.

9/13/2026

Das Ewige im Vergänglichen (Immortal Pt. II)

Liebe und Tod besitzen in der Musik einen besonderen Status, weil sie zwei Grenzerfahrungen darstellen. In der Liebe scheint das eigene Leben plötzlich größer als man selbst zu werden; im Tod wird seine Begrenztheit sichtbar. Zwischen beiden Polen liegt beinahe die gesamte Popgeschichte.

Das traditionelle Volkslied erzählt davon ebenso wie der Blues. Gospel beschäftigt sich mit Tod, Erlösung und Hoffnung. Country entwickelte daraus Geschichten über Verlust, Heimat und Erinnerung. Der Rock’n’Roll machte zunächst Körperlichkeit, Jugend und Begehren zum Ereignis. Später verwandelte Rock diese Themen in Identitätsfragen: Wer bin ich? Wem gehöre ich? Muss ich so leben wie meine Eltern? Der Punk beantwortete dieselben Fragen mit Wut und Ablehnung, Gothic Rock mit Melancholie und Todesfaszination, Metal mit Mythologie, Gewalt, Macht und existenzieller Größe. Hip-Hop wiederum machte Identität, gesellschaftliche Stellung, Herkunft, Erfolg und Überleben zu zentralen Themen. Unterschiedliche Genres verändern also weniger die fundamentalen menschlichen Fragen als die Sprache, in der diese Fragen gestellt werden.

Ein Bluesmusiker kann über Verlassenwerden singen, ein Emo-Sänger ebenfalls. Der eine verwendet vielleicht zwölf Takte, eine raue Stimme und eine verstimmte Gitarre, der andere verzerrte Powerchords und einen explosiven Refrain. Inhaltlich stehen beide möglicherweise am gleichen Punkt: Jemand ist gegangen, und der Zurückgelassene weiß nicht, wohin mit sich.

Genres altern deshalb häufig schneller als Gefühle.

Ein bestimmter Drumcomputer kann sofort nach 1985 klingen. Ein Gitarrensound kann unverkennbar 1998 sein. Autotune, Dubstep-Bässe oder bestimmte Trap-Hi-Hats können eine Epoche markieren. Doch das ist nicht zwangsläufig ein Nachteil. Sobald genügend Zeit vergangen ist, verwandelt sich ein zunächst „veralteter“ Klang in eine ästhetische Signatur seiner Zeit. Was gestern altmodisch war, kann morgen Vintage sein. Die Produktion altert; die Emotion kann bestehen bleiben.

Darum überleben manche Songs sogar ihre Genres. Menschen müssen nicht mehr Teil der ursprünglichen Jugendkultur sein, um ihre Musik zu verstehen. Man muss nicht in den siebziger Jahren gelebt haben, um die Kraft von Hard Rock zu begreifen, nicht in den Achtzigern, um Dark Wave als melancholisch zu empfinden, und nicht in den Neunzigern, um einen guten Punkrefrain mitzubrüllen.

9/12/2026

Melencolia I (1514) & Melancholia (2011)

Heute mal wieder was Spezielles, mir ist bei Inaugenscheinnahme von Albrecht Dürers Bild "Melencolia 1", es war irgendwie Teil von Dan Browns "Lost Symbol", durch welches ich darüber gestolpert bin.
Ich hoffe ihr kennt das Bild, ich habe es hier mal in einer colorierten Fassung eingefügt, der Link führt euch zur Quelle, ein Film eingefallen, der mich vor fünfzehn Jahren getroffen hat, in einer Phase, in der ich selbst unter dieser Art von Melancholie gelitten habe

Damals kannte ich dieses Bild von Dürer noch nicht und hatte keine Ahnung, dass es vor 500 Jahren bereits ein so starkes Werk über den Ausdruck dessen gab, was ich im Inneren fühlte.

Zugegeben, ich bin nie der große Gemälde-Freak gewesen und "Melancholia" von Lars von Trier ist zwar, auch wenn er als Film, ein Bewegtbildmedium ist dem Namen nach mehr wie ein Gemälde meiner damaligen geistigen Verfassung und ist durchzogen von einem so tiefen Verständnis dafür, dass ich das gar nicht in Worte fassen kann.

Als ich dann vor ein paar Tagen das Bild von Dürer sah, schoss es mir sofort in den Kopf, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte, ein melancholischer Engel im Vordergrund und eine vermeintliche globale Katastrophe im Hintergrund, ähnliche Stacks also, auf dem Dürer Bild ist noch so viel mehr zu finden, das mich verwirrte und faszinierte, ich bin total geflasht davon, es fühlt sich an wie Verstehen, wisst ihr was ich meine? In diesem Sinne... gern mehr in den Kommentaren.

so ungefähr ist das in meinem Kopf zusammengewachsen...

Was macht Musik unsterblich? (Immortal Pt. I)

Musik ist wahrscheinlich die Kunstform, bei der wir am selbstverständlichsten von „Unsterblichkeit“ sprechen. Ein Gemälde kann Jahrhunderte überdauern, ein Roman Generationen überleben, doch bei Musik geschieht etwas Eigenartiges: Ein Lied, das fünfzig oder hundert Jahre alt ist, kann für einen Menschen, der gerade zum ersten Mal verliebt ist, plötzlich vollkommen gegenwärtig werden. Es wird nicht lediglich als historisches Dokument wahrgenommen. Für drei Minuten ist es wieder neu. Genau darin liegt vielleicht der entscheidende Unterschied zwischen Musik, die bloß alt wird, und Musik, die zeitlos werden kann.

Die naheliegende Erklärung lautet: Zeitlose Musik beschäftigt sich mit zeitlosen Themen. Liebe und Tod sind dafür die offensichtlichsten Beispiele. Menschen haben sich verliebt, lange bevor jemand eine Gitarre an einen Verstärker anschloss, und sie werden vermutlich noch Liebeskummer haben, wenn die heute verwendeten Musikformate längst vergessen sind. Geburt, Verlust, Begehren, Eifersucht, Einsamkeit, Freundschaft, Angst, Hoffnung und die Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens verändern ihre gesellschaftlichen Erscheinungsformen, aber kaum ihren emotionalen Kern. Ein Liebeslied aus dem Jahr 1965 kann deshalb einem Jugendlichen im Jahr 2065 näher sein als ein Song aus seiner eigenen Zeit, der sich ausschließlich auf einen längst vergessenen Internettrend bezieht.

Nicht das allgemeine Thema allein macht ein Lied unsterblich. Entscheidend ist, ob ein konkretes Erlebnis so erzählt wird, dass spätere Menschen sich darin wiedererkennen können. Ein Text wie „Ich vermisse dich“ ist universell, aber noch kein großer Song. Interessant wird er erst dort, wo das Allgemeine eine konkrete Form erhält: ein leeres Bett, ein vergessenes Glas auf dem Tisch, ein Telefon, das nicht mehr klingelt, ein Fahrrad, das vor einer Kneipe steht. Paradoxerweise entsteht Zeitlosigkeit häufig gerade aus solchen Details. Das konkrete Bild gehört einer bestimmten Person und einem bestimmten Augenblick; das Gefühl dahinter gehört allen.

Musik lässt mich Liebe spüren

Kennt ihr das Gefühl, wenn die Musik grad so geil ist, dass ihr alle ähnlichen Lieder gleichzeitig hören wollt und eure Playlist viel zu langsam ist, ihr euch an so viel erinnert und die Best of the best, die ihr habt noch detaillierter werden sollte und plötzlich auch schon wieder 150 Titel hat und euch gleichzeitig klar wird, dass ihr niemals die eine Million Scrobbels auf last.fm knackt, bevor euch das Leben knackt?

Und bei allem denke ich an die wunderschönen Gesichter, die großartigen Menschen, die Frauen, die Freunde, ja auch Familie, die auf diesen Wegen verloren gingen. Musik ist meine absolute Zeitmaschine des Geistes. Wenn wir wirklich in einer Simulation leben, dann ist Musik der Glitch, das Wurmloch, das Tor dorthin, wo ich glücklich war, wo ich traurig war, wo alle Gefühle intakt sind, wo die Welt für dreieinhalb Minuten so ist, wie ich sie mal gespürt habe.

In diesem Zustand fällt es mir leicht, Songs zu schreiben, die Worte zu finden, das lyrische Ich zu fühlen, ich glaube so ungefähr muss sich für die Aborigines die Traumzeit anfühlen. Was ich den Menschen außerhalb dieses Erlebens sagen kann, ist: Danke! LIEBE GEHT RAUS! Es tut mir nur leid, dass die wahre Tiefe dieser Worte vermutlich niemals so stark sein wird, wie in der Erinnerung, seid versichert ich liebe euch und werde es immer tun.