7/08/2023

Gott vertrauen / auf Krümel hören

Ich bin seit nunmehr 4 Stunden wach und nachdem ich gestern noch zur Love Parade nach Berlin wollte, hat mich eine Nachricht in eine kleine Sinnkrise gestürzt, denn man hat mich gefragt: "Eins versteh ich nicht, du gehst nicht raus wegen Menschen aber fährst zu einer Veranstaltung wo etwa 200000 Menschen sind?"

Ich kann das Unverständnis, das zu einem Missverständnis werden könnte durchaus verstehen. Zwar mag ich Menschen nicht besonders, vor allem nicht viele auf einem Fleck und halte mich generell von ihnen fern, weil die Erfahrung gezeigt hat, dass es mich unglaublich anstrengt und leider viele Menschen so viel negative Energie mit sich rumtragen, dass es mich fertig macht. Auf Großveranstaltungen ist das meistens anders, denn dort sind alle freiwillig und um Spaß zu haben. Gerade die Raver-Szene übrigens neben der Metal-Szene ist ein sehr hilfsbereiter und friedlicher Haufen, die feinsten Menschen, denen ich bisher begegnen durfte, wenn es um Subkulturen geht.

Aber ob es nun 20 sind oder 200.000 macht da keinen Unterschied, ich gehe nicht wegen der Menschen nicht raus, es ist das raus gehen, warum ich nicht raus gehe. Gibt hier den netten Agoraphobie Akut Tag, da findet man so ziemlich alle meine Erfahrungen der letzten 15 Jahre mit dem Thema. Es ist für mich nahezu unmöglich einzuschätzen, wann ich eine Panikattacke bekomme oder mich eine Situation überfordert, ich vor plötzlich eintretender Todesangst nicht mehr in der Lage bin rational zu denken. Die Abstände sind definitiv größer geworden und seit ich mein toxisches Umfeld radikal ausgedünnt habe kommt es auch nur noch sehr selten vor, unangenehm und ein mieses Gefühl macht es mir immer noch an Orten zu sein, die ich nicht kenne, die mir Unbehagen bereiten, das sind nach letzten Erfahrungen vor allem solche Orte, die mir das Gefühl geben, nicht zu wissen wo ich bin oder wie ich dort weg komme, wie ich dort schnellstmöglich an Hilfe gelange oder Orte, die unbelebt oder menschenleer sind.

Das wiederum liegt dann an meinem zweiten dauerhaften Handycap, mein Körper ist ein Wrack, auch wenn ich tagtäglich daran arbeite ist es doch so, dass ich mit meinen 38 Jahren schon so viel durch habe, dass ich auch viele traumatische Erlebnisse gesammelt habe und die will man natürlich nicht noch einmal erleben. Andererseits habe ich in der Vergangenheit schon das ein oder andere Trauma besiegt, indem ich wieder in die Situation gegangen bin, die es ausgelöst hat. Ich war 2010 auf der unglückseligen Love Parade in Duisburg und auch wenn ich während des großen Unglücks schon auf dem Heimweg war, sind das Dinge die bleiben.

Was soll diese "Wall of Text", wieder sagen? Drei Dinge!

Erstens: Danke, dass du mich vor einer Dummheit bewahrt hast, anderthalb Stunden Umsteigezeit in Braunschweig und nochmal 45' in Magdeburg, die letzte Berlin-Fahrt war gesundheitlich eine Katastrophe und auch wenn ich mich mittlerweile deutlich fitter fühle, ich muss ja nicht immer mein Glück herausfordern.
Zweitens: Danke, du hast mir mal wieder klar gemacht, dass ich mir nichts mehr beweisen muss und es nichts mit Aufgeben und Scheitern zu tun hat, seine Schwächen zu akzeptieren und dementsprechend zu handeln, wie kannst du meine Vernunft sein in 400km Entfernung? Wie unfassbar tragisch, dass du weiter weg bist als Berlin. Manchmal würd ich gern rüber kommen und einfach nur mal ein wenig quatschen.
Drittens: Danke, dass ich ins Grübeln gekommen bin und es noch einmal überdacht habe und mir dabei auch klar geworden ist, dass ein Deutschland-Ticket der Bahn für mich derzeit ein reiner Zuschussbetrieb ist, den ich zu wenig nutze, als dass er sich lohnt und den ich dann auch direkt gekündigt habe.

Am Ende hätte ich mich natürlich auch in die Hände des Herrn geben können, aber wozu unnötig Dinge tun, die man nicht tun muss. Und nachher auf ARTE kann ich mir den Kram ja auch angucken und mit den Headdies auf in genau meiner Lautstärke und ohne die Gefahr eines Kreislaufkollapses

7/07/2023

Jeden Tag mehrmals

Es ist nicht so, dass ich gerade an dich gedacht habe als ich mir ein zufälliges Bild erstellen ließ, es ist eher andersherum, ich habe an dich gedacht und wollte ein Bild von dir sehen, um es dir zu schicken.

Ich denke jeden Tag an dich, meist bist du einer der ersten Gedanken am Morgen, wo ich dich in meine Gebete einschließe und dir einen erfolgreichen Tag wünsche und am Abend wenn ich schlafen gehe, wo ich hoffe, dass du dich gut erholen kannst und oft auch, wenn ich ein Lied höre, die Sonne seh', den Mond, die Baumwipfel wie sie sich hin und her wogen, wenn ich schreibe... ich vermiss dich. Und ich kann das noch nicht einmal erklären, wir leben schon so lange in verschiedenen Welten, vielleicht haben wir nie in der gleichen gelebt und alles was ich fühle ist bloß Einbildung und rührt von einer merkwürdigen Sehnsucht her, die ich selbst nicht verstehe, weil ich einfach gar nichts verstehe, was irgendwie mit dir in Zusammenhang steht. Und im Grunde war das auch schon immer so. Ich weiß was mit Menschen los ist, sobald sie die ersten Worte sprechen, ich weiß welche Stimmung Menschen haben, kann sie entschlüsseln innerhalb von Minuten, aber du bleibst ein Mysterium. Ich will dich so sehr kennen, dass ich vergesse wer ich bin, du bist der einzige Mensch auf diesem Planeten, der mich wirklich interessiert. Das heißt nicht, dass mir andere egal sind, niemand löst bei mir diese Reaktion aus.

Oft starre ich am Tag mehrere Minuten auf dein Bild bei Whatsapp weil ich überlege, wie ich dich anschreibe, weil ich mal wieder an dich denke und gern mit dir in Kontakt träte, aber ich weiß nicht worüber ich mit dir reden soll, nur dass ich gern deine Stimme hören würde oder ein Wort von dir, obwohl ich genau weiß, dass es ein unglaublicher Selbstbetrug ist. Ich sage mir dann, dass ich bis zur Ewigkeit warten kann und irgendwie scheint das auch so zu sein, aber ich will nicht sterben um zu leben. Wonach klingt das? Ich weine, weil ich es nicht schaffe dir näher zu kommen als in Textnachrichten oder vielleicht mal in einer Sprachnachricht

Der gleiche Mond

Danke für die Unterbrechung, ich war schon fast wieder in meiner Melancholie versunken!

Machen wir uns ein paar Feinde!

"Gott hat die Welt so gemacht, dass sie sich selbst macht!"
(Pierre Teilhard de Chardin SJ)

Dieses Zitat gefällt mir sehr, um auch jene, die mit Gott als solches nichts anzufangen wissen in die Weltenlogik mit einzubeziehen. Als ich in der Schule nach dem was war davor gefragt habe, gab es keine Lösung außer dem "unbewegten Beweger", der dann faktisch ja Gott sein musste im Religionsunterricht. Doch was war davor?

Wer Bock hat einen schönen Abend zu zerstören oder sich ein paar Feinde machen will, kann so eine Frage mal im Kreise guter Christenmenschen stellen und dann die Theorie anfügen, dass es immer ein Davor gegeben haben muss, weil die Naturgesetze außerhalb von schwarzen Löchern immer ein Ursache und Wirkungsprinzip voraussetzen, was Gott zur Wirkung macht. Denn selbst wenn er ursächlich ist, wie ich glaube muss er auch Wirkung sein und das nicht aus sich selbst. Wahrscheinlich wird der Christenmensch dir erklären, dass Gott aus sich selbst ist und daraus alles andere, aber wenn du das nicht glaubst, dann macht Gott für dich keinen Sinn und das ist in Ordnung, aber darum heißt es ja auch Glauben und nicht Wissen. Wenn du allerdings glaubst zu wissen, wird dich niemand eines Glaubens belehren können, der weiß, dass er NICHTS weiß.

Ich habe ja im Hinterkopf immer noch die wirre Theorie, dass am Ende der Zeit der Mensch selbst zu Gott wird und in seiner Einsamkeit dann einfach eine neue Simulation des Lebens anstößt und damit als unbewegter Beweger tatsächlich aus sich selbst entsteht. Allmächtig und allwissend ist ihm ja klar, dass es sowieso immer wieder darauf hinausläuft, dass er am Ende wieder ganz allein ist und von vorne anfängt. Eine sehr traurige Geschichte, wenn es so wäre. Ein Unsterblicher in einer Zeitschleife gefangen, die Milliarden von Jahren andauert und bloß ein einziger Moment, um einzugreifen?

Die Bibel erzählt uns aber eine andere Geschichte und auch wenn ich der Meinung bin, dass diese nicht die ganze Wahrheit erzählen kann, so sie denn von Menschen geschrieben wurde, wie übrigens alle religiösen Schriften und damit alle von Meinungen und Interessen durchsetzt sind, glaube ich an einen Gott. Auch wenn er mich vor unlösbare Aufgaben zu stellen scheint, auch wenn seine Liebe immer nur die anderen zu bekommen scheinen, auch wenn mein tägliches Leid mich zu zermürben droht, glaube ich an den Plan und seinen Weg für mich, der dies alles nötig macht, um mir die Kraft und den Willen zu geben um seiner Herrlichkeit Beispiel zu sein und denen die er liebt, die ich liebe in der Nacht ihres Lebens heim zu leuchten.

Hallelujah

7/06/2023

Das einzig Gute am Tod

Es gibt nicht viel Gutes daran zu wissen, dass man stirbt und dass es schneller geht, je länger man lebt. Mich tröstet das ewige Leben, wegen einer einzigen Seele, die ich dort treffen werde, deiner! Ich will dieses Leben wert schätzen und das Beste daraus machen, was ich kann, ich will die beste Version von mir sein und tun, was ich kann, um gut zu sein. Nicht um mir Gottes Gnade oder sein Urteil zu erschleichen sondern, weil ich es versprochen habe. Das Leben ist seins und die Ewigkeit was soll mir die bringen, wenn ich dich nicht lieben könnte. 

Eternity

Kasalla - Scheissejal

"Jläuvs du de Sonn deit interessiere
Ov de Welt sich um se drieht
Und dä Rään dä jitt ene Driss dorop
Dat he en Stadt am Rande römsteiht
Wie ding Aure jlänze wenn do danz
Wie do rüchs un wie do laachs
Un dat Jrübche dat do dann häs
Dodran han ich lang nimieh jedaacht
Un mer sin Jeschichte
Dat Märche es vorbei
Do bes mir
Scheissejal
Scheissejal
Jede Morje
Jede Ovend
Jede Naach
Bes do mir scheissejal
Scheissejal
Nur verjess ich dat manchmol
Dat do jetz hunderteinunzwanzig Daach fott bes
Hätt ich nie jenau nohjezällt
Ich vermiss dich üvverhaup nit mieh
Und dä Typ dä jetz ding Hand hält
Es bestimmt ne nette Kääl
Ich wünsch üch all dat Jlück op he d'r Welt
Mer jeit et jood
Ich bin okay
Mir zwei sin Jeschichte
Ich fingk d'r Weech allein noh Huus
Do bes mir
Scheissejal
Scheissejal
Jede Morje
Jede Ovend
Jede Naach
Bes do mir scheissejal
Scheissejal
Nur verjess ich dat manchmol
Jenooch jehürt, jenooch jehasst
Jenooch jehofft und jenooch verpasst
Kumm lass mal et joot sin
Do bes mir scheissejal
Scheissejal
Jede Morje
Jede Ovend
Jede Naach
Bes do mir scheissejal
Scheissejal
Nur verjess ich dat manchmol
Scheissejal
Scheissejal
Nur verjess ich dat manchmol
Nur verjess ich dat manchmol
Villeich vermiss ich dich manchmol
"

Text: Florian Peil / Sebastian Wagner / Bastian Campmann / Ena Schwiers / Niels Plum

7/05/2023

Den Kürzeren ziehen

Nachdem ich letztens eine große Unmutsbekundung darüber in Kauf nahm, dass ich keine "Wall of Texts" senden soll und sofortige Beantwortung erwarte und man mir ein "20minütiges Sprachnachrichten-Hörbuch" vorwarf fahre ich langsam wieder runter. Denn diesbezüglich hat sie Recht, bei aller Liebe.

Aus meinem kläglichen Versuch einer Entschuldigung würde ein Missverständnis nach dem anderen. Ich kann jedem nur empfehlen sich nicht über einen Messenger zu streiten.
Wir haben Liebe! Mit der Sprache und der Autokorrektur zu kämpfen während man versucht mit einer emotional argumentierenden Frau zu schreiben, vergesst es. Nehmt euch Zeit, argumentiert sachlich und bedenkt, dass ihr liebt und nichts von alledem wichtig ist, weil ihr liebt.

Und tut euch den Gefallen, kürzt euch ein, ohne die Botschaft zu verkürzen, ich bin ein Drumherumquatscher vor dem Herrn, zum Punkt zu kommen kann schon mal zum Hörbuch werden, wo drei Worte und eine Umarmung alles sagen würden.

Hochmut kommt vor dem Fall

Ich dachte immer es geht bei dem Spruch um Satans Fall aus dem Himmel.
Aber es geht um uns Alle, die wir mit mehr Demut deutlich besser leben würden.
"Hochmut erniedrigt den Menschen, doch der Demütige kommt zu Ehren."
(Sprüche 29:23)

Wer denken wir, dass wir sind, wenn wir uns vor Anderen profilieren müssen? Was ist die Intention so zu tun als wäre man jemand Besseres, als man ist? Warum prahlen mit Geringlichkeit?
Ich war nie wer und hab mal versucht so zu tun als ob, es hat sich nicht gelohnt. Jetzt bin ich ein Niemand, der sich genügt, weil ich bin. Gott weiß es sowieso, also findet euch selbst und seid, wer ihr seid. BE DU

Trigger-Warnungs-Terror für Filme?

Hey Leute,

erinnert ihr euch noch daran, dass ich in meinem Post Warum nicht für Depressive eine Triggerwarnung für Inhalte gefordert habe, die depressiv machen?

Es gibt so etwas mittlerweile, aber wie alles in unserer Welt ist es komplett drüber. Die Seite heißt: "doesthedogdie.com" und hat mittlerweile über 150 Kategorien, vor denen man sich warnen lassen kann. Die Ursprungsidee war aber keinesfalls jene, keine depressiven Episoden auszulösen. Vielmehr ging es darum Kindern nicht zumuten zu müssen, dass Haustiere in Filmen sterben und diese dadurch einen Knacks fürs Leben bekommen. Ja, der Ansatz ist okay und die Idee finde ich auch super. Ich sehe auch den guten Ansatz, dass man nicht überrascht wird, wenn in einem Familienfilm plötzlich Gore-Szenen auftauchen oder man in einem Drama Tierquälerei sehen muss. Aber Leute "A dragon dies"? In welchen Filmen könnten Drachen sterben? Und wen berührt oder verstört das? Fuck oder die überraschende Möglichkeit, dass es in Horrorfilmen zu letaler Gewalt kommen könnte. Am Ende entscheidet doch sowieso jeder vorher, ob er sich was reinzieht und geht dann aus dem Kino oder schaltet ab, wenn er merkt, dass das jetzt gerade echt gar nichts für ihn ist. Meist kündigen sich die heftigen Dinge ja lange an, wenn man nicht gerade in der Eröffnungsszene von Saw-Fortsetzungen sitzt und selbst in denen weiß man das im Grunde auch vorher, geht man ja nicht rein in nen 18er Film und erwartet dann Häschen auf Blumenwiesen rumspringen, oder?

Ich will die Seite nicht abstrafen, weil die Idee super ist und bestimmt vielen Menschen hilft, aber bei einigen Kategorien frage ich mich ernsthaft ob Menschen die von solchen Dingen getriggert werden nicht ganz andere Probleme haben. Einen Psychologen im Hintergrund möchte man den App-Machern empfehlen, das könnte dann vielleicht ein paar Gaga-Kategorien rausschmeißen und eine Sinnfrage sollte man sich bei eben erwähnter Gewalt im Horrorfilm auch stellen, wer den Rauch nicht verträgt, sollte kein Feuer machen...

dieses Bild wirft noch viel mehr Fragen auf, oder?
Wir vom KK2 Entertainment Center achten individuell darauf, dass sich niemand mit uns Inhalte ansieht, die dem psychischen und physischen Wohl des Sichtenden schaden könnten, das gilt übrigens nicht nur für Kinder, die den meisten kranken Scheiß, den vor Allem ich mir reinziehe weder verstehen noch verarbeiten könnten sondern auch für die Zartbesaiteten und psychisch genauso Gestörten wie mich selbst, der sich nicht an diese Regel hält. Aber wer ein Kind alleine vor den Fernseher setzt, der vermutlich eine Internetverbindung hat, der handelt in meinen Augen generell unverantwortlich und da hilft dann auch keine Seite, die mich davor warnt ob der Hund stirbt!

You're my Wonderwall

Jeder kennt den Song vermutlich von Oasis und hält ihn für ein Liebeslied, allerdings lässt sich der Text auch anders deuten. Denn obwohl ich ihn seit Ewigkeiten mit Erinnerungen an eine gewisse Person verbinde ist es doch auch eine tolle Mitgröhl-Hymne, die man noch vor sich hin lallen kann, wenn einen das Sprachzentrum eigentlich schon im Stich gelassen hat.
Für mich ging es immer um eine spezielle Person, die Freund und Führer zugleich ist, die einem in schlechten Phasen aufhilft, die einem stets die Möglichkeit zur Selbstreflektion bietet, eine Wonderwall eben, die einem aufzeigt, dass an dieser Stelle einerseits Schluss ist, aber eben auch als Spiegel des eigenen Handels funktioniert. Ich kenne so eine Person und ich liebe sie, weil sie genau das ist, undefinierbar von Wortbedeutung her, aber eben da und sowohl Projektionsfläche als auch Spiegel und ich kann es ihr oft nicht sagen, weil mir einerseits die Worte fehlen, zu beschreiben, was sie für mich ist, andererseits fühlt es sich oft an als würde man gegen eine Mauer reden. Daher passt der Begriff Wonderwall wirklich recht gut.

In letzter Zeit ist für mich noch eine weitere Interpretationsmöglichkeit hinzu gekommen, denn all das, was ich eben beschrieben habe tut für den Gläubigen auch Gott und könnte daher genauso die besungene, im englischen Sprachgebrauch nicht vorhandene Wonderwall sein.

Der "Kenn-ich-schon-Energiesparmodus"

Vor circa 1 1/2 Jahren habe ich mich in diesem Post schon einmal damit auseinander gesetzt, wie das Gehirn eines Menschen bestenfalls funktioniert, wenn es um das Erlernen von Neuem geht. Es ist die Stimulation, die entscheidend ist. Und wie ich schon damals feststellte ist das, was viele Menschen als Langeweile in der Routine ansehen, die fehlende Stimulation des Gehirns, der Energiesparmodus von bereits Erlerntem.

Darum liebe ich das Schreiben, die Routine ist die Tätigkeit an sich, doch was man schreibt ist einem dauernden Prozess der Selbststimulation durch Gedanken und neue Ideen unterworfen. Dadurch kann ich mich selbst stets zu neuen Höchstleistungen pushen indem ich es einfach mache. Übrigens auch etwas, das ich beim sonntäglichen Spielvergnügen erlebe. Ein gutes Spiel bringt mich dazu mich immer wieder selbst herauszufordern, wenn ich die Routine der Abläufe längst verinnerlicht habe, da geht es dann meist auch nicht mehr darum zu gewinnen. Das klingt vielleicht etwas überheblich, aber ich meine etwas Anderes; es ist mir egal ob ich gewinne oder verliere, denn es geht mir um etwas Anderes, es geht mir darum eine bessere Partie zu spielen als die Vorherige, meine Optionen zu optimieren, Fehler in Strategie und Interaktion zu vermeiden, dafür vielleicht neue zu machen, die mir für die Partie danach helfen sie abzustellen. Und so halte ich es auch im Leben, jede vermeintliche Fehlentscheidung des Lebens ist ein Impuls, eine Stimulation des Gehirns und bringt mir einen Lerneffekt, dass es so nicht geht. Ich zitiere an der Stelle immer gern Edisons: „Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, wie es nicht funktioniert.“ Denn darum geht es mir, Lernen ist der stetige Prozess des Scheiterns und Ausschließens von Nichterfolg. Möglicherweise ist das auch so ein Kreativen-Ding, es gibt ja auch Menschen, die sich lieber bloß schon vorher von anderen Gelerntes durch Auswendig"lernen" aneignen. Ich wäre interessiert, ob es Studien gibt, die mich stützen, dass auf diese Weise Gespeichertes nicht die gleiche tiefe Verankerung im Gehirn erhält, wie etwas, das durch das Erleben des "Aha-Effekts" dort landet. Meiner Erfahrung nach ist es genau das, was Wissen verankert, Erlebtes, Erfahrenes, Stimulation. Ich bin aber auch der innovative Typ, warum soll ich etwas wiederholen, was vor mir schon zig Millionen Menschen von Anderen gelernt haben und warum sollte es keine Möglichkeit geben, damit mehr zu machen?

Die meisten von uns haben in der Grundschule Lesen und Schreiben gelernt, ich konnte zu dieser Zeit bereits Lesen, theoretisch auch Schreiben, mir mangelte es an Lesbarkeit, das war das worauf ich mich konzentrierte, denn warum sollte ich noch einmal etwas Lernen, was ich bereits beherrschte, ich interessierte mich für den nächsten Schritt und die Verbesserung meiner Fähigkeiten, Wortschatz und die praktischen Anwendungsmöglichkeiten. "Ole malt Ali" oder wie diese merkwürdigen Schreibanfänge hießen hat mich nicht wirklich gekickt. Umso besser, hatte ich mehr Zeit meine sozialen Fähigkeiten zu trainieren. Der Matheunterricht war erst ab der 4. Klasse überhaupt interessant, habe ich bereits mit 5 Jahren Schach gespielt oder mit siebenstelligen Zahlen jongliert beim Quartettkartenspielen. Ist ein sehr interessantes Beispiel dafür, wie das Gehirn funktioniert, denn anstatt immer das Gleiche Quartett zu spielen, sammelte ich damals im Laufe meiner Schulzeit an die 200! davon an, um ständig eine Abwechslung zu haben, das Prinzip war fast immer das Gleiche, der beste Wert einer Karte gewinnt, zum Beispiel Geschwindigkeit, etc. Schnell kennt man die Karten und verbindet mit dem Bild einen Kartennamen und mit dem dann wiederum Werte und nach ein paar Durchläufen, weiß man welche Karten in welcher Kategorie die besten sind und erhält ein Gefühl dafür, wie man in welcher Situation die jeweils beste Kategorie einer Karte auswählt, weil das Ziel des Spiels ist durch Übertrumpfen am Ende alle Karten zu besitzen. Das Gehirn hatte dabei ständig zu tun und neben dem Effekt Routine in den Umgang mit Zahlen zu bekommen erweiterte es meinen Wortschatz und gab für 99 Pfennig pro Kartenspiel damals eine gute Möglichkeit Dinge zu sehen, die meine Welt vergrößerten, ich meine kennt von euch einer die Namen von Monstertrucks der 90er Jahre? Muss man wahrscheinlich auch nicht, aber welcher 6-Jährige weiß von allen Mitschülern, wie das Auto der Eltern heißt und wieviel PS es hat?

Der größte Nachteil an diesem ständig nach Wissen dürstenden Geist war die Art, wie Schule Wissen vermittelt. Lehrpläne und viel zu viele Schüler gleichzeitig, so dass nie ein rasantes Lerntempo aufgenommen werden kann, so wie es vermutlich die meisten Kinder haben könnten, wenn man sie Lernen ließe. Anfangs hieß es für mich immer öfter: "Da sind wir noch nicht, warte doch auf die Anderen!" anstatt, "Toll Chesney, dann habe ich für dich schon etwas Anspruchsvolleres!" Ich meine ich verstehe das ja, welch ein Aufwand wäre das für 30 Kinder individuell an das Lerntempo angepasste Lernpläne zu entwickeln wäre sicher katastrophal, aber ein 3-Stufen-Plan, je nach Lernintensität wäre sicher machbar und würde den Schnellen und den Langsamen helfen, denn die Schnellen so sie denn vernünftig sozialisiert wurden, würden stets den Langsameren helfen. Ich habe viel Zeit damit zugebracht anderen zu helfen, Rechnen, etc. Beim Sport haben mir die Anderen dafür geholfen meine Körperlichkeit auszugleichen und das Faszinierende dabei war, dass der Helfende selbst durch die Wiederholung noch besser wurde und der Geholfene dankbar war und der Dank kam als Bonus obendrauf. Hätte ich das damals alles richtig gedeutet, wär ich sicher nie in den Energiesparmodus gewechselt. Denn das geschah im späteren Verlauf so oft, dass ich mir dachte: "Ach kennste schon, hör mal nur halb hin!", oder ich quatschte mit Mitschülern über das Tagesgeschehen oder ich hatte halt einfach mal gar kein Interesse an Biologie zum Beispiel. Ich wollte mir partout die Welt um mich herum nicht erklären lassen, aus irgendwelchen Büchern, wenn ich doch nachmittags draußen spielen konnte und dann Fragen hatte, was hat mich als Heranwachsenden interessiert wie irgendwelche Gräser heißen, die ich vermutlich nie sehen werde? Welche Wirkung eine Brennnessel hat, hatte ich zu diesem Zeitpunkt längst gelernt, durch Erfahren. Und so ging es mir in vielen Dingen, wenn ich sie nicht schon kannte, dann verstand ich sie beim ersten Mal und beschäftigte mich, wie man es mir von Grundschulzeiten an gelernt hatte mit anderen Dingen, doch während ich in der Grundschule immer noch soweit aufnahmefähig war, dass ich auch bei halbem Hinhören mitbekam, wenn irgendwas Neues kam, verpasste ich in den späteren Jahren regelmäßig den Anschluss und hinkte dann plötzlich hinterher und die Diskrepanz zwischen Lernnotwendigkeit und Sinnhaftigkeit von Gelerntem ging auch immer weiter auseinander. Heute 20 Jahre nach meiner Schulzeit erschließen sich viele Dinge, die ich mal gelernt habe als sinnvoll, vor Allem "Latein" war wohl eine der sinnvollsten Dinge, die ich je gelernt habe, es hilft mir persönlich fast täglich, ganz im Vergleich zu irgendwelchen Kurvendiskussionen oder Gedichtanalysen oder dem bescheuerten Cooper-Test, Leute! Bei vielen Sachen sind es Basics, die man lernen sollte, ja. Alles Weitere sollte vom Lernenden ausgehen. Ich will einfach nicht glauben, dass es kein angeborenes Verlangen nach Wissen gibt, welches individuell gefördert werden müsste.

Jetzt kommt noch ein wenig Glaubenszeug, falls ihr da keine Lust drauf habt, skip it!

Ich will jetzt keinen Religionsunterricht hier herein bringen, den halte ich für komplett überflüssig, denn wenn sich jeder so entwickeln würde, wie es von Gott vorgesehen wäre, dann wäre die Welt der perfekte Ort, der er sein könnte und jeder würde nach dem für das er eben geschaffen wäre da und jedes Rädchen würde in das andere greifen. Und Gott oder ein Äquivalent würde irgendwann schon selbst in das Leben eines jeden Menschen treten und es gäbe jederzeit die Möglichkeit sich dafür oder eben auch dagegen zu entscheiden, Religionsunterricht ist wirklich eine der störensten Faktoren in der Erziehung, die es geben kann, weil sie Fragen aufwirft, auf die man irgendwann im Leben sowieso die Antworten bekommt und sie sind meist deutlich besser als: "Weil das so ist!" Und ich rede hier nicht von Glauben, denn den hat man immer, auch wenn man versucht ihn zu leugnen, er ist da, an was auch immer. Und irgendwann kreuzt auch Gott oder was wir dafür halten unseren Weg. Wie man diese "Begegnung" dann erlebt und was man damit macht, sollte jedem frei stehen und nicht durch eine frühkindliche Indoktrinierung beeinflusst sein. Denn jedes Kind ist fähig einer Idee anderer zu folgen, weil man das eben so macht, Glauben ist dagegen etwas für das man sich entscheidet und der Weg mit Gott ebenso. Und hier ist der "Kenn-Ich-Schon-Energiesparmodus" auch etwas, das sich als völlige Fehleinschätzung herausstellen kann, wenn man nämlich den Kram aus dem Religionsunterricht, wie ich immer hinterfragt hat und feststellen musste, dass es etwas völlig anderes ist einen Glauben zu leben, als einer Religion zu folgen, denn Glauben kennt keinen Energiesparmodus, er ist erfüllt von ständig Neuem und Gott ist der beste Lehrmeister, den es gibt, denn er kennt unser Tempo besser als wir selbst. Und er lehrt ständig, wenn wir lernen wollen.

In diesem Sinne...