11/14/2024

Projekt: Top 250 – Nachtgeschrei

Ich bin ja schon ewig ein Sucher und Sammler, wenn es um Musik geht. Aber nicht einfach Musik. Musik, die mich berührt. Die sich um mich legt wie ein Mantel, mich umschmiegt, sich anfühlt wie Musik gewordene Gedanken meiner Selbst. Wie Freundschaft, wie Wahrheit, wie Nachtgeschrei.

Eine Band, die vielleicht nie den ganz großen Ruhm erlangt hat – aber für mich seit Jahren ein fester Bestandteil meiner dunkleren, ruhigeren, aber auch ehrlicheren Folkrock-Momente ist. Ein bisschen wie Subway to Sally ohne Pomp, wie Letzte Instanz mit mehr Seele, wie In Extremo ohne Zirkus. Einfach... echt. Nachtgeschrei sind für mich eine der unterschätztesten Bands der deutschen Folkrock-Szene.

Dass ich die überhaupt entdeckt habe, verdanke ich meinem Besten. Der hat sie mir damals empfohlen, vor ungefähr 10 Jahren, als Teil eines Motivationspakets, dass ich im Krankenhaus dabei hatte, als ich wieder zurück ins Leben kam. Und wie das so ist bei Empfehlungen von Menschen, die einem wirklich nahe sind: Man hört hin. Und bleibt hängen. Für immer. Danke!

Für alle, die mal reinhören möchten, gibt es hier, wie immer den Spotify-Link zur Band und für mehr Infos den last.fm-Link zur Band.

Dazu die wöchentlich um 20 Titel wachsende Playlist mit je 2 Titeln pro Top 250 Künstler:

Projekt: Top 250 – Sieben

Ein Name, der klingt wie eine Zahl, und ein Sound, der klingt wie… nichts – und irgendwie doch alles. Avantgardistisches Chillout-Hintergrund-Meditations-Gedudel.

Ein Projekt – dessen Musik man hören kann, ohne sie zu hören. Ein Soundteppich, der sich ausbreitet, weich wie Nebel, flüchtig wie ein Gedanke. Ich habe das vermutlich mal eine ganze Weile als Begleitung zu irgendetwas genutzt. Vielleicht beim Schreiben, vielleicht beim Denken, vielleicht beim Nicht-Mehr-Sein-Wollen. Denn jetzt, beim Wiederhören,merke ich: Man kann es einfach überhören, weil es leise im Hintergrund schwingt, wie ein Schatten, wie ein ferner Chor im Kopf.

Fragt mich bitte niemals, auf was ich war, als Sieben sich so weit nach oben gespielt haben in meiner Statistik. Ich weiß es nicht mehr. Und vielleicht will ich’s auch gar nicht wissen.Was ich weiß: Meine depressiven Episoden waren zum Teil wirklich deep. Und diese Musik war der lautlose Soundtrack dazu. Manchmal ist das eben so. Und dann geht man weiter. Oder eben tiefer.

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Projekt: Top 250 – Madonna

Ein Name, ein Mythos, ein Imperium. Sie war immer ein Material Girl – gut vermarktet, clever inszeniert, ihr Gott gegebenes Kapital hat sie gewinnbringend genutzt. Und der kleine Alex? Hat das nicht verstanden. Nicht mal, als er Jahre später in der realen Welt dem gleichen Typ Mensch begegnete und sich komplett hat ausziehen lassen. Nackt. Unverrichteter Dinge. Ohne Geld. Aber das ist eine andere Geschichte.

Musikalisch? Da gibt’s nichts auszusetzen, wenn man Popmusik zumindest in Ansätzen schätzt. Und selbst wenn nicht – Madonna hat Maßstäbe gesetzt. Provokation war bei ihr nie Selbstzweck, sondern Kalkül, Strategie, Ausdruck. Sie war immer zwei Schritte voraus und hat das Spiel gespielt, bevor andere die Regeln kannten.

Es gab eine Zeit, da war sie für mich unhörbar – weil sie aussah wie die Eine. Und wenn sie sang, sah ich Sie. Ob das jetzt ein Kompliment für Madonna oder für die Eine ist, mag jeder selbst entscheiden. Für mich war es ein emotionales Minenfeld. Und trotzdem – sie ist Madonna.

Ihr Schaffen ist für mich eine Hit & Miss-Sammlung. Einige Songs liegen mir gar nicht, andere sind so ikonisch, dass ich beim Musikquiz schneller buzzere als ich denken kann und dann unfreiwillig mitsinge. Klar – Like a Prayer, Vogue, Hung Up – das kann man gar nicht nicht kennen.

Was mein Bild dann endgültig ins Wanken brachte, war der ESC 2019 in Israel. Madonna live. Und sie traf keinen Ton. Die Performance wurde später nachbearbeitet, aber der Moment war da. Es tat weh, eine solche Ikone fallen zu sehen, auch wenn’s ihr letztlich nicht geschadet hat. Für mich war’s ein kleiner Stich ins Herz. Aber hey – sie ist immer noch Madonna - die unangefochtene und ewige Queen of POP.

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Projekt: Top 250 – Iron Maiden

Die vielleicht größte Metalband der Welt. Ich meine, ey – sie haben ein eigenes Flugzeug und einen Sänger, der es selbst fliegen kann. Gibt es auf diesem Planeten überhaupt jemanden, der nicht weiß, wer Iron Maiden sind? Wenn ja – tut mir leid, aber was ist da schiefgelaufen?

Mein allererstes Metal-Album war die "Brave New World", weil ich unbedingt The Wicker Man hören wollte, das Video habe ich damals geliebt, eines der wenigen aus dem Genre, die dann dank Chartplatzierung auch auf Viva liefen. Ich hab’s rauf und runter gehört – einzelne Tracks? Egal. Das Ding lief durch. Damals war ich noch ganz am Anfang meiner Reise in die Welt des Metals, und Maiden waren nicht der Gatekeeper – sie waren der Titan am Rand, der wartet, bis du soweit bist, um wirklich zu verstehen.

Und dann war ich soweit. Wacken Open Air 2008. August. Es war heiß. So heiß, dass ich mit einem Kreislaufkollaps ins Krankenhaus nach Itzehoe musste. Mittags. 30 Grad, schwül, ich war dicht – und dann lag ich da, bekam über einen Tropf Zucker und Kochsalzlösung ins Blut gepumpt. Die Krankenschwester war cool, fuhr mich im Cabrio zurück zum Festival. Und abends? Iron Maiden. Live. Auf der Bühne. In voller Pracht. Was für eine Show. Zwei Stunden, pure Magie. Ein Kumpel von uns hat sich beim Crowdsurfen den Arm gebrochen. Krankenhaus. Klar. Aber verdammt nochmal: Wenn nicht für Maiden, wofür dann?! Und als "Fear of the Dark" ertönte, spürte ich, wie sich etwas in mir veränderte. Es war ein Erweckungsmoment – in einer manischen Phase meines Borderlines war es diese Musik, die mir Kraft, Fokus, Herzschlag gab. Diese Nacht, auf dem trockenen Acker von Wacken, unter warmer Sommerluft, hat mich zu einem Iron Maiden-Fan gemacht. Für immer.

Warum sind sie nicht weiter oben in meiner Liste? Einfach: Die Songs sind zu lang. Wenn ich eine Stunde Maiden höre, sind das acht Tracks. Bei Punkbands kriege ich da locker das Doppelte. Aber was zählt das schon. Ich liebe Iron Maiden. Bis zum letzten Ton.

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Projekt: Top 250 – Schwarzer Engel

Es gibt Bands, die begleiten dich nicht mit großen Hits, nicht mit Chartplatzierungen oder ikonischen Alben – sondern mit einer Atmosphäre, die dich durch Licht und Finsternis trägt. Schwarzer Engel ist genau so eine Band für mich. Der Sound: eine Mischung aus Dark Rock, Gothic Metal und einer Prise epischem Pathos, die mir oft genau das Gefühl vermittelt hat, das ich damals nicht in Worte fassen konnte.

So wie ich mich einst für einen gefallenen Engel hielt, waren es die schwarzen Engel in meinem Leben, die mich stets vom Himmel zurück auf die Erde holten. Manchmal brutal, manchmal tröstend. Und einmal, da flog ich so hoch, dass der Aufprall mein altes Ich zerstörte. Seitdem betrachte ich viele Dinge aus der Distanz, doch der Sound von Schwarzer Engel blieb mir nah.

Die Texte klingen oft, als hätte ich sie selbst geschrieben, sie treffen meine Gedanken, mein altes Ich, mein heutiges Ich, und die Vorstellung eines Lebenstraums, den ich irgendwo unterwegs verloren habe -ein Soundtrack für mein imaginäres Leben mit der Einen.

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Projekt: Top 250 – The Rattles

The Rattles – eine Band wie aus einer anderen Zeit, und vermutlich eine der dienstältesten in meiner gesamten Liste. Gegründet 1960 von einem gewissen Achim Reichel, sind sie heute so etwas wie das deutsche Beat-Wunder – zwischen Rock'n'Roll, Mersey-Beat und gelegentlichen Psych-Tönen. Jeder kennt vermutlich ihren internationalen Hit „The Witch“, ein Song, der fast schon wie ein Psychobilly-Klassiker daherkommt, obwohl der Rest ihres Schaffens eher in klassischen Rock'n'Roll-Gefilden spielt.

Mich hat die Band live überzeugt – minimum 4 Stunden Konzert irgendwann in den 2000ern, unterbrochen von einer Beatles Coverband, die ne Stunde in der Pause gezockt haben, ich war eigentlich nur durch Zufall dabei gewesen, wegen Freikarte und dem Versprechen auf Freigetränke und ehemaligen Weggefährten. Am Ende war’s einer dieser Abende, an denen man völlig ohne Erwartungen hingeht und dann von der Energie der Musik überrollt wird. Ein kleiner Saal, eine große Band, und mein Vater war auch dabei – eine seltene und besondere Erinnerung.

Ich kannte die Rattles bis zu dem Abend überhaupt nicht, aber danach habe ich mich durch ihr Werk gegraben. Spotify? Fehlanzeige damals. Also ab ins alte Plattenarchiv im Keller,
und dort wurde ich fündig. Der Sound? Ein wilder Mix aus nostalgischen Hymnen, mitreißenden Tanznummern und dieser ganz besonderen Oldschool-Attitüde, die auch einen Metalhead wie mich zum Mitwippen zwingt. Danke, Papa.

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Projekt: Top 250 – Dynazty

Schwedischer Hard Rock, wie er im Buche steht. Melodisch, kraftvoll, episch – und irgendwo immer auf dem schmalen Grat zwischen bombastischem Metal und charmantem Kitsch. Genau da, wo es mir gefällt. Ich kann mich in ihrer Diskografie verlieren, komplett abtauchen, ohne auch nur einen Song zu haben, den ich besonders hervorheben könnte. Nicht, weil es keine Hits gibt – sondern weil alles irgendwie zündet. Kein Ausfall, kein Durchhänger. Nur ein steter Strom an hymnischer Energie, der mich bis heute begleitet.

Dynazty ist eine dieser Bands, die völlig unter dem Radar fliegen und gleichzeitig so viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Underrated like hell. Sie liefern konstant ab, und das mit einer musikalischen Klasse, die nicht viele im Genre erreichen.

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Projekt: Top 250 – Fiddler’s Green

Folk’s not dead! Und wer mich kennt, weiß: Ich war dabei. Live. Laut. Lindwurm. Wall of Folk. Diese Band hat mich auf dem Rock Harz Open Air (ich weiß leider nichtmehr in welchem Jahr) voll erwischt – mit so viel Lebensfreude und Pub-Energie, dass selbst der grimmigste Metalhead auf seinem Metbecher hopsend Polka tanzt.

Ich höre Fiddler’s Green mittlerweile seit 2005/2006, also schon ewig, und je nach Stimmung bin ich eher beim ruhigen, fast verträumten Fiddlertum unterwegs, damals vor Allem in den Nächten ohne Ende in den Armen holder Maiden – oder ich brauche die volle Dröhnung Folkpunk à la Dropkick Murphys um Druck abzulassen, wenn die Welt mal wieder droht über mir zusammenzustürzen.

Meine Lieblingsphase ist ganz klar die um das Album „Drive Me Mad!“, mit absoluten Bängern wie: „Captain’s Song“, „Long Gone“ und „The Night That Paddy Murphy Died“

Die Band ist einfach Gute-Laune pur – sofern man kein Problem mit Streichern hat. Aber ganz ehrlich: Wenn doch, dann verpasst man eben was.

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11/13/2024

2000 Mädchen

Ich weiß nicht, wie viele Frauen ich in meinem Leben kennengelernt habe, doch immer wieder gibt es da diese Besonderen, die aus der Masse hervorstechen, sie sind so anders, so lieb, so gut, als könnte ihnen nichts aber auch gar nichts jemals das Herz verrücken, Engel in Zivil. Wir hatten das Thema ja schon zur Genüge, ich steh auf Krankenschwestern und glorifiziere diese, stelle sie auf Podeste und jeder Psychologe würde mir vermutlich eine gewisse Neigung unterstellen. Sowas ist das hier nicht.

Larry ist ein ganz besonderer Mensch, der mich an eine Zeit erinnert, wo ich selbst noch jung war und noch nicht so verbittert und grumpy, wie ich es heute bin, meine Discothekenzeit vor Allem, wo ich im Stroboskoplicht der Nacht genau so jemanden kennengelernt habe. Und nur damit hier keine Zweifel aufkommen, Larry ist in meinem Alter, vermutlich verstehen wir uns genau deswegen so gut, ähnliche popkulturelle Sozialisierung, Kinder der 90er, etc. sowas verbindet, wenn man dann noch einen gewissen Draht zueinander hat, dann fühlt es sich einfach gut an.

Irgendwann im Leben merkt man einfach, dass es wenige Menschen gibt, die meinen hohen Ansprüchen für interessante Gesprächspartner oder generell dem Entsprechen, wem ich mehr als nur die übliche Höflichkeit zugestehe (ja nennt mich misanthropes Arschloch, macht meine Erfahrungen!).

A-Bär kennt ihr etwas Sympathischeres, als eine Frau, die ständig mit "ich stand Grad unter der Dusche...“-Zitaten um sich wirft? Also, no shame, allerdings ist das für mich, wie "... und dann kam Polly" in real life mit der Ausnahme, dass ich halt kein Ben Stiller bin und noch weniger romantische Gefühle oder sowas habe, einfach ein toller Mensch, mit dem man Pferde stehlen will.

Pale Blue Dot

eine herangezoomte Interpretation des originalen "Pale Blue Dot"

 „Betrachten Sie noch einmal diesen Punkt. Das ist hier. Das ist zu Hause. Das sind wir. Darauf hat jeder, den du liebst, jeder, den du kennst, jeder, von dem du jemals gehört hast, jeder Mensch, der jemals war, sein Leben gelebt.“ Carl Sagan

Und in diesem Bewusstsein, wie kann es da irgendwelche weiteren Fragen geben, die uns trennen? Wie können wir als einzige (sogenannt) intelligente Spezies im Umkreis von Milliarden Lichtjahren nicht einfach EINS sein, von außen betrachtet sind wir nämlich noch nicht einmal das, wir sind etwas Unkenntliches auf einem klitzekleinen blauen Punkt in einem Sonnensystem, das von Weitem betrachtet wiederum ein kleiner Punkt ist, nämlich unsere Sonne. Je weiter man rauszoomt, umso weniger existieren wir und trotzdem sind wir die "Krone der Schöpfung"? Wenn jeder hundertste Mensch auf der Welt einen Tag seines Lebens damit verbringen würde, einfach mal einen Freund zu finden und Unterschiede zu überwinden, wie schnell könnten wir EINS sein, wenigstens auf diesem kleinen fahlen blauen Punkt auf der Leinwand der Unendlichkeit?