4/10/2023

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"Oben ist die Höhe und der Fall länger und die Sonne...", dann versagte seine Stimme und ein unerträglicher röchelnder Laut trat an die Stelle seines verzweifelten Versuchs mir den Himmel zu erklären. Ich hielt seine kalte verknöcherte Hand, als er starb. Ich sah in sein Gesicht und er lächelte.

Der Himmel, er wollte immer in den Himmel, das hatte er mir schon bei unserem ersten Treffen erzählt, als ich ihm das Zimmer in der karg eingerichteten Altersheimat gezeigt habe, die für ihn wohl seine letzte Wohnstätte sein würde. Doch er sagte stets, es sei unwichtig, wie wir jetzt leben, solange es uns im Himmel wieder gut geht. Ich habe das lange Jahre nicht verstanden, dass dieser arme Mann, dem das Leben alles weggenommen hatte, erst seine Kinder, dann die Frau, dann seine Gesundheit, seine Beine und schlussendlich seine Selbstbestimmung, dass dieser Mann mir um so vieles voraus war. Er gab nie die Hoffnung auf, redete nicht von dem, was ihm alles geschehen sei, sondern immer nur davon, was er noch alles erleben würde und was ihn im Himmel erwartet. Er lachte viel und gern und war ein großartiger Schachspieler. Ich verbrachte unglaublich gern Zeit mit ihm, denn bei all den Gebrechen, die er hatte  war er doch mental der stärkste Mensch, den ich kannte. Sein Glaube war unerschütterlich. Wenn man ihn fragte, ob er nicht auch manchmal nachts weinend liegen würde dann antwortete er einem: "Nein, ich lebe und kann Gutes tun und Liebe geben und weiß, dass ich jeden Morgen den Himmel sehen darf, solange Gott das will." An den Tagen, wenn wir uns sahen schien immer die Sonne, bis auf jenen letzten Tag, an dem er mich zu sich rief, ein kalter regnerischer Tag. Er bat mich die Gardinen ganz zu zu ziehen, da dachte ich schon, dass etwas nicht stimmt und zum ersten Mal sah ich es auch in seinem Gesicht, den Zweifel, die Angst. Wir wussten beide, dass dies der Tag sei, an dem er in den Himmel gehen würde und spielten eine Partie Schach. Wie immer besiegte er mich, doch etwas war anders. Er lachte nicht und gab mir Tipps, sondern schob das Brett zur Seite und nahm meine Hand und lehnte sich zurück. Ich halft ihm das Kissen aufzuschütteln. Er starrte zur Decke: "Oben ist die Höhe und der Fall länger und die Sonne..."

"Auf die Packung im Schrank

... schreib ich drauf, dass die Packung im Schrank ist! Dann findet man sie sicher wieder!"

Ich denk mir das nicht aus, das sind die murmelnden Selbstgespräche, die man mitbekommt, wenn man während seiner Blutwäschebehandlung vor sich hindöst und die Kopfhörer abgesetzt hat, weil die Musik zu laut zum Einschlafen ist. Ich mag mir das natürlich auch eingebildet haben, immerhin bin ich ja auf Beruhigungsmitteln, aber es gäbe genug Kandidaten, denen ich eine solche Logik zutraue. Und ihr Lieben, ihr wisst, dass ich euch alle lieb hab, aber manchmal seid ihr einfach nur gaga. Und auch dafür lieb ich euch. In diesem Sinne... lasst euch die Schicht nicht zu lang werden, danke, dass es euch gibt!

Und keine für mich

Sie ist entschieden zu sein die meine,
ich bekomme aber keine,
für euch ist sie die einzig Eine,
doch in dir drin ist eine Deine.

Wie lange ich auch abends weine,
am Balken hängt die lange Leine,
Auf einem Stuhl steh'n meine Beine
Doch die Entscheidung, die bleibt SEINE!


Gott hilf denen...

Bitte HILF!!!
die Hilfe brauchen,
hilf denen,
die Schmerzen haben, die leiden,
die verlieren Haus und Hof,
die DICH verlieren.

Bitte Gott hilf denen, die mir schaden,
mir Schlechtes wollen,
mich hassen und verfluchen,
mir neiden, mich bestehlen.

Hilf den Armen, die nichts haben,
den Mittellosen, die nicht wollen,
den Kranken, die nicht können,
hilf der Erde, deiner Schöpfung.

Oder nicht!
Strafe so wie es dir gerecht, fehlerlos!
Denn du bist Gerechtigkeit, Rache und Vergeltung!
Dein Schwert komme, zu richten ein jeden nach seinen Vergehen!
Der Grimm und das Grauen möge unser aller Schicksal besiegeln...

Amen



Inspired by true events...

"Er schuf den Menschen nach seinem Ebenbild", klingt so eindeutig wie "nach einer wahren Begebenheit", ist am Ende aber auch genauso interpretierbar. Wenn man heute ins Kino geht oder irgendwelche Literatur liest, gibt es dort ganz oft den Vermerk, dass die erzählte Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht, oder auf Englisch "inspired by true events". Das sagt eigentlich nur aus, dass irgendwas von der Geschichte wirklich passiert ist. Aktuellstes Beispiel ist der "Cocaine Bear" bei dem ein Bär auf Kokain voll abgeht und zum Killerbär wird, das basiert auf der realen Geschichte eines Bärs, der einst abgeworfenes Kokain geschnupft hat und daran starb. Im Grunde sagt uns das nur, dass wir mehr hinterfragen sollten, was wir als ungefiltert wahr übernehmen ist oft das, was man uns glauben machen will, was die Wahrheit ist. Die Gründe dafür können vielfältig sein, meist geht aber wohl darum einen emotionalen Effekt auszulösen und damit insgeheim jemanden oder etwas so zu manipulieren, dass es den eigenen Interessen dienlich ist.

Die Bibel zum Beispiel hat nirgendwo den Vermerk auf wahren Begebenheiten zu basieren. Warum wird sie in vielen Bereichen des Lebens auch außerhalb religiöser Kreise so behandelt, als sei sie ein Sachbuch? Wo genau steht die Bibel eigentlich im Regal in einer Bibliothek, bei mir steht sie aus Platzgründen direkt neben den Märchen aus tausendundeiner Nacht. Erhebt die Bibel den Anspruch auf wahren Begebenheiten zu basieren oder ist schon das Interpretationssache? Was hält Gott davon, ist die Bibel sein Wort oder bloß eine Interpretation seines Wortes und basiert damit auf der Wahrheit, die aber von Menschen verfasst wurde?
Warum lassen wir nicht endlich die Zwischenhändler und jene, die daran weltliche Güter verdienen weg und kommunizieren direkt mit uns selbst und der Göttlichkeit, die uns allen innewohnt, die wir nach seinem Ebenbild geschaffen wurden. Fehlbar und unrein aber mit den Fähigkeiten dies abzulegen, wenn wir uns ganz hingeben. Diese Wahrheiten brauchen kein Buch und keine Kirche, diese Wahrheiten sind allbedeutend und selbsterklärend, die Stimme, das Herz, die Seele, all das ist in uns, weil er in uns ist, solange wir in ihm sind. Alles geht ineinander auf, das ist übrigens äquivalent zur Aussage, dass wir alle Sternenstaub sind und wieder zu Sternenstaub werden.

Gott mein Freund!

Du leitest mich in so manchen Sumpf voll Scheiße, weil du weißt, dass ich da durch wate und mit einem Sack voll Schnodder und guten Erfahrungen den weniger Harten zur Seite stehe, wenn sie hinten dran die Märsche bezwingen. Doch wahret euch, der Herr wird auch euch voran schicken, wenn ihr zu mir die Stärke habt und euch die Aufgabe gewiss an meiner statt.
Nichts lässt er uns zu tun denn unser Werk für ihn, auf dass wir würdig sein mögen. 
Das Böse ist ihm und wir sind die Seinen bloß, auf dass er hinfort nehme unseren Makel, den wir bekamen einst nur durch ihn.

Das Mädchen auf der Schaukel

Elvis röhrte leis sein "Love me tender" und die Sonne ging langsam unter als ich mich in dich verliebte und die Garagencoverband mit dem Sänger mit der Elvisstimme schmetterte "I've lost you", als wir uns das erste Mal trennten und es begann zu regnen.
Doch in meinem Herzen bliebst du auch Jahre später immer das Mädchen auf der Schaukel .
Bis heute schaukeln deine grünen Augen glänzend neben mir her und du lachst, während ich weine. Du glaubst, während ich weiß. Du vertraust während ich zweifle. Und du fällst während ich dich ohne Arme auf fang, weil ich glaube! Weil ich vertraue! Weil ich bete, dass ich etwas Gutes tu, wenn ich durch dich bin, was ich immer sein wollte: Der Junge auf der Schaukel.

Der Junge auf der Schaukel 🤗

Aushalten!

Heute: Zwei Nadeln schmerzend im Arm!

Generell tut das Dialysieren nicht weh, nicht die dicken Nadeln, nicht die Behandlung an sich. Was manchmal etwas schmerzt ist die emotional aufgeladene Stimmung im Behandlungszentrum, aber das hält sich zumeist in Grenzen, weil man im Obergeschoss wenig davon mitbekommt.
Heute jedoch konnte ich mich über 4 Stunden nicht davon ablenken, dass ich beide Nadeln im Arm spürte und Leute, das ist nicht angenehm, stellt es euch vor als hättet ihr irgendwo ein ganz kleines Messer stecken und es geht nicht weg, dazu fangen eure Nerven, die gereizt werden an zu schmerzen und die Muskeln drumherum spannen sich über Stunden an, ihr krampft. Die Werte der Maschine sagten aber, dass alles in Ordnung ist und so habe ich es eben ausgehalten. Wird seinen Sinn gehabt haben.

Alles wiederholt sich

Ach Leute, das Leben ist doch echt irgendwie langweilig, oder? Ständig wiederholen sich Muster und alles ist irgendwie selbstprophezeiende Erfüllung dessen, was man sich ausmalt, was passieren könnte. Ich denke nicht, dass ich wieder in eine depressive Phase abdrifte, aber das, was vor ein paar Wochen noch wie eine Wiedererweckung anmutete, ist seitdem ganz schön viel Realität gewichen. Und diese Realität ist wohl, dass ich endlich aus dem Arsch kommen muss, sonst passiert Nichts und zu warten, dass irgendjemand oder Etwas die Dinge für mich regelt, ist zwar sehr tröstend, aber doch wohl bloß eine Ausrede für Prokrastination. Und je nachdem wie lange ihr hier schon dabei seid, wisst ihr, dass ich das mal richtig intensiv gemacht habe und wo das hingeführt hat.
Ich habe hundert Pläne, es wird höchste Zeit, dass ich den ersten in die Tat umsetze und mich nicht ablenken lassen, weil Andere auch gerade mit ihren ganzen Gedanken und Wünschen an mir zerren. An dieser Stelle war ich schon mal und dieses Mal nehme ich den anderen Weg. Es wäre toll, wenn irgendjemand mir gut zureden würde, außer dem Pusteblümchen, Grüße gehen raus. Und ich muss mich selbst disziplinieren, der Drive ist ein bisschen raus, ab morgen geht es wieder los, hart sein!
Heute ist ja nur noch Therapie!
In diesem Sinne... packen wir es an - get it through - BE DU!

4/08/2023

Was wurde wohl aus... Schwester Beate

Schwester Beate war eine talentierte unglaublich hübsche Kinderkrankenschwester, als ich ELF war. Damals hatte ich von Frauen im Grunde noch keine Ahnung, aber ich wusste, dass so wie sie meine Traumfrau wäre. Ich wüsste gern, was wohl aus ihr geworden ist...

Damals war sie eine der wenigen, die von mir eine Top-Bewertung bekommen hat auf der Kinderstation, weil sie mich nicht wie ein Kind behandelt hat und ich scheinbar schon früher sehr empathisch war, so dass sie sich lieber bei mir in der Quarantäne aufgehalten hat und mit mir über das Fernsehprogramm eines Elfjährigen gesprochen hat als draußen mit den pubertierenden Jugendlichen, die sie wahrscheinlich abschätzend ob ihrer Schönheit behandelt haben zu sein.

Wie auch immer, sehr spannend, dass ich mich gerade an sie erinnere, wo mein Leben doch voller Schwestern war, wenn man mal drüber nachdenkt habe ich vermutlich mehr Krankenschwestern kennen gelernt als "Frauen in freier Wildbahn"

Wäre bestimmt interessant, ob sie sich an mich erinnert!